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LESERBRIEF: Wo bleibt das Charisma in der Standes-Politik ?

„Der redet mit Händen und Füßen“ ist eine Redewendung, die wie viele Volksweisheiten ihre Berechtigung hat. Meist sind da temperamentvolle Naturelle mit gemeint, die der Bedeutung ihrer Aussagen durch Körperbewegungen eine dramaturgische Unterstützung angedeihen lassen.

Das kommt dann beim Gegenüber intensiver rüber als ein verbales Geplapper. Irgendwann haben das die Berater von im Blickpunkt des öffentlichen Interesse stehenden Persönlichkeiten auch entdeckt – nur mit dem Unterschied, dass nun die Körpersprache nicht intuitiv die Statements begleitete, sondern es wurde „gemacht“ im Sinn einer Choreographie.

Das erste Mal, dass ich dies bei einem Politiker enttarnte, war im Vorfeld der Aufstellung von Kanzlerkandidaten diverser Parteien. Da hatte ein Herr Scharping durchaus griffige Argumentationen zu verkünden, aber mit einschläferndem Tonfall und stocksteifer Körperhaltung, was auch bei empathischen Fans dieses Kandidaten einen sedativen Effekt am Rande des Komas auslöste. Mit Beginn der heißen Phase des Wahlkampfes

jedoch schien sich eine Wandlung bei Auftritten von Rudolf zu vollziehen: Er fuchtelte vermehrt rhythmisch mit den Armen umher und schien mit eintrainierten Gesten seine Argumente buchstäblich in den Händen zu halten. Sollte das über die einschläfernde Monotonie seines Tonfalls hinweg helfen? Authentisch war es jedenfalls nicht.

Und nun mal der Sichtwechsel auf die Körpersprache unserer Stammesfürsten. Ob Apothekertag oder Tagesschau – ich habe die pharmazeutische Standesvertretung so gut wie immer bei Antworten oder Übermittlung von Standpunkten mit diesem rechtwinkligen Ellenbogenknick und leicht gewölbten Handflächen suggestiv gestikulierend erlebt.

Wie sehr hätte ich mir da einen individuellen Fingerabdruck in Form von gefühlsorientierter Mimik, einer krächzenden Stimme oder sonstig unverwechselbarer Authentizität gewünscht. Stattdessen treten in den Medien genormte Robots auf, denen ein Bart Simpson sein „Langweilig!“ entgegen schmettern würde.

Dr. Detlef Eichberg
64750 LĂĽtzelbach
apo.luetzelbach(at)t-online.de