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KOMMENTAR: Machtergreifung unterm Weihnachtsbaum

Welcher Zeitpunkt eignet sich besser als der Heilige Abend, um √ľber den deutschen Wald nachzudenken: Zu Heiligabend 1971 wurden Horst Sterns Bemerkungen √ľber den Rothirsch ausgestrahlt - diesmal droht unserem Wald die Machtergreifung durch √Ėko-Populisten + + + Prof. a.D. Roland Irslinger kommentiert die ‚ÄěForderungen von Natur- und Umweltschutzorganisationen im DNR zur Waldpolitik‚Äú

Oh Tannenbaum - das Papier des Deutschen Naturschutzrings passt in die Weihnachtszeit. Die inzwischen vierte Corona-Welle √ľberrollt Deutschland, der Wald stirbt durch Hitze und Trockenheit in bisher unbekanntem Ausma√ü, Bolsonaro fackelt den Regenwald ab: Zukunfts√§ngste machen sich breit und da s√§gen unsere Forstwirte auch noch B√§ume ab.

Geht‚Äôs eigentlich noch? Aber wer kann schon unterscheiden zwischen einem tropischen Prim√§rwald-√Ėkosystem und einem naturnah bewirtschafteten deutschen Wald? Seit Jahren nutzen √Ėko-Populisten und PseudoWaldsch√ľtzer diese Fehlwahrnehmung nur zu gern, um F√∂rster-Bashing zu betreiben und die Waldwirtschaft in Deutschland madig zu machen.

Richtig ist, dass der Amazonas-Regenwald extrem wichtig ist f√ľr das globale Klima! Liegt es da nicht nahe, den deutschen Wald vor den F√∂rstern zu sch√ľtzen!? 2010 haben Zehntausende gegen Stuttgart 21 ‚ÄěL√ľgenpack‚Äú skandiert.

Und jetzt ver√∂ffentlicht der Deutsche Naturschutzring, der Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen, ein Positionspapier, das voller L√ľgen steckt. Wobei Natursch√ľtzer ja grunds√§tzlich unser Vertrauen verdienen ‚Äď oder?

Aber dieses Vertrauen wird massiv missbraucht. Denn es geht hier weder um Klima- noch um Naturschutz, schon gar nicht um Waldschutz, sondern um Machtergreifung √ľber den Wald. Es werden hierzulande keine W√§lder gerodet, um sie zu verbrennen.

W√§lder werden gepflegt und B√§ume werden gef√§llt, um daraus Holzprodukte herzustellen. Ein Baum besteht bekanntlich auch aus √Ąsten und beim Hobeln fallen Sp√§ne, auch die alten M√∂bel und Balken landen im HolzHeizkraftwerk.

Kreislaufwirtschaft nennt man das, dabei werden in Deutschland pro Jahr CO2- Emissionen von √ľber 100 Mio. Tonnen vermieden, √ľber 10% der deutschen j√§hrlichen Treibhausgasemissionen.

Und da schreiben die deutschen Naturschutzverbände im vorliegenden Papier im Ernst, dieser Prozess sei nicht CO2-neutral? Folgt jetzt den Corona-Querdenkern ein Wald-Querdenkertum?

Prof. Hans-Joachim Schellnhuber, einer der weltweit renommiertesten Klimaforscher, trommelt f√ľr mehr Holzh√§user, denn eine Stadt aus Holz speichert mehr Kohlenstoff als der wildeste Wald!

Aber woher soll all das Holz kommen? Keine Sorge, es ist gen√ľgend da, aber ohne nachhaltige Waldnutzung hierzulande schaffen wir die Bauwende nicht, es sei denn auf Kosten der Biodiversit√§t der letzten Urw√§lder Osteuropas und in √úbersee.

Holz aus Prim√§rw√§ldern ist aber, im Gegensatz zum Holz aus heimischen W√§ldern, nicht CO2-neutral, Holzimporte sch√§digen deshalb auch das Klima ganz enorm. Lokal sch√ľtzen, global verschmutzen - ist das die Devise der selbsternannten Waldsch√ľtzer?

Dabei ist auch manches richtig in dem Papier. Viele Probleme im Wald sind menschengemacht. Der Wald in Deutschland ist komplett menschengemacht.

Aber den F√∂rstern die Aufforstung der riesigen Nachkriegskahlschl√§ge schuldhaft zuzuschreiben, ist genauso, wie die Tr√ľmmerfrauen daf√ľr verantwortlich zu machen, die in der Nachkriegsnot gebauten H√§user nicht nach modernen Standards isoliert zu haben.

Keine andere Berufsgruppe wie die Forstpartie hat so fr√ľh begonnen, den Klimawandel ernst zu nehmen. Seit Jahrzehnten werden W√§lder umgebaut, um sie zu stabilisieren. Aber W√§lder, die Jahrhunderte alt werden k√∂nnen, lassen sich nicht √ľber Nacht durch andere ersetzen.

Die Waldwirtschaft in Deutschland ist die nachhaltigste und naturvertr√§glichste weltweit. Sie ist weder ausschlie√ülich auf maximale Holzerzeugung ausgerichtet noch ist sie schlecht f√ľr den Artenschutz. Die W√§lder in Deutschland haben so hohe Holzvorr√§te wie seit dem Mittelalter nicht mehr.

Mehr Vorrat anzureichern, wie dies z.B. das Klimaschutzgesetz der alten Bundesregierung vorsieht, ist das Gegenteil von Klimaschutz und Generationengerechtigkeit, weil Wälder im Klimawandel langsamer, nicht schneller wachsen und hochbevorratete Wälder wie Immobilienblasen zusammenbrechen werden.

6 % der W√§lder in Deutschland sind bereits wilde W√§lder, das muss reichen. Keine Pflanzenart ist in den letzten Jahrzehnten im Wald ausgestorben, Waldv√∂gel haben sogar zugenommen, der R√ľckgang der Insekten findet nicht im Wald statt, sondern ist auf landwirtschaftlich beeinflusste Fl√§chen beschr√§nkt.

Mehr Waldwildnis bringt nicht grunds√§tzlich mehr Artenschutz, viele Arten sind auf den Wald als Teil der Kulturlandschaft angewiesen. Der Wald √ľbrigens erh√§lt sich selbst, der braucht uns nicht.

Aber ohne den Erhalt des Waldes in einem zur Nutzung des nachhaltig produzierbaren Rohstoffes Holz geeigneten Zustand erreichen wir die Pariser Klimaziele allenfalls durch den Zubau neuer Kernkraftwerke.

Das gilt √ľbrigens √ľber das Jahr 2050 hinaus, denn dann brauchen wir den Nutz-Wald erst recht, um die √ľberh√∂hten CO2-Gehalte der Atmosph√§re wieder abzubauen. Weder Kernkraftwerke noch ein wild gewordener Wald k√∂nnen das leisten! In silva salus!

Die ganze Welt beneidet uns um unseren nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit nach Jahrhunderten der Verw√ľstung wieder aufgebauten Wirtschaftswald.

Und just in diesem Augenblick tauchen Populisten am Waldrand auf, die ihren Saft aus den √Ąngsten der Menschen ziehen und uns weismachen wollen, in wilden W√§ldern liege das Heil der deutschen Waldnatur.