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Ausbruch von Pferdeherpes in Hessen - wichtige Hinweise f√ľr Pferdehalter

Zwei gesunde Tiere.

WETTERAUKREIS. - Nach aktuellen Informationen sind in einem Pferdebestand im Kreis Limburg-Weilburg mehrere Pferde an Equinem Herpesvirus 1 (EHV 1) erkrankt, davon zehn so schwer, dass sie eingeschl√§fert werden mussten. Landrat Joachim Arnold und der Leiter des Veterin√§ramtes Dr. Rudolf M√ľller warnen daher alle Pferdehalter eindringlich vor Kontakten mit Einhufern (Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel und Zebras) unbekannter Herkunft.

Da diese Erkrankung weder melde- noch anzeigepflichtig ist, so Dr. M√ľller weiter, werden auftretende Erkrankungsf√§lle nicht zwingend dem Veterin√§ramt mitgeteilt, anders als beispielsweise bei der Infekti√∂sen An√§mie, die 2010 die Reiterschaft in Atem hielt. Entsprechend k√∂nnen daher auch keine Verbote, beispielsweise von Turnieren o.√§. ausgesprochen werden.

Das Veterin√§ramt empfiehlt deshalb, die √ľblichen Vorsichtsma√ünahmen, die im Falle des Ausbruchs einer Seuche ergriffen werden, auch im Falle der aktuellen Herpes-Epidemie umzusetzen. Zu vermeiden sind nach M√∂glichkeit Pferdeansammlungen, wie Turniere oder √§hnliches, der Kontakt zu Pferden unbekannter Herkunft und der Kontakt mit Pferden aus anderen Pferdehaltungen. Weiter wird empfohlen, allen Besuchern, wie z.B. Schmieden, stalleigene Schutzkleidung zur Verf√ľgung zu stellen.

Reitbeteiligungen oder Reitsch√ľler sollten dar√ľber informiert werden, dass die Reitkleidung ausschlie√ülich in einem Stall getragen werden sollte, f√ľr den Fall, dass sie in mehreren St√§llen reiten oder t√§tig sind. Zugekaufte Pferde oder andere Pferde, die neu in den Bestand eingestallt werden sollen, sollten in Quarant√§ne gehalten und f√ľr einen Zeitraum von mindestens drei Wochen beobachtet werden.

Untersuchungen, die eine Infektion mit EHV ausschlie√üen k√∂nnen, sind am lebenden Tier nicht sicher m√∂glich. Das Equine Herpesvirus zeigt zwei verschiedene Krankheitsverl√§ufe, so dass zwischen EHV 1 und EHV 4 unterschieden wird. √úblicherweise werden Pferde gegen beide Varianten geimpft. Allerdings ist der Impfstoff aktuell in Deutschland nicht verf√ľgbar. Eine Impfung in eine akute Infektion wird nicht empfohlen. Dies kann zu einem Ausbruch der Krankheit f√ľhren.

Infektionen des Equinen Herpesvirus 1 l√∂sen eine Atemwegsentz√ľndung mit den klassischen Symptomen eines grippalen Infektes aus, tragende Stuten verfohlen in der Regel. Bei allen Ausbr√ľchen von EHV-1-Infektionen ist das Auftreten von Erkrankungen des Nervensystems (neurologische Verlaufsform) bei bis zu 30 % der Pferde m√∂glich.

Die anfänglichen klinischen Symptome sind unspezifisch. Typischerweise zeigen betroffene Pferde eine kurze Fieberphase, diese kann allein oder in Kombination mit Nasenausfluss und Husten auftreten. Bei der neurologischen Verlaufsform zeigen die Pferde einige Tage nach der ersten Fieberphase Koordinationsstörungen (Ataxie). Harn- und Kotabsatzschwierigkeiten können zusätzlich auftreten.

Die neurologischen Symptome können sich bis hin zum Festliegen verschlechtern. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden stabilisiert sich der Zustand der Patienten in der Regel.

Die √úbertragung einer EHV 1-Infektion erfolgt als Tr√∂pfcheninfektion √ľber direkten Pferdekontakt, m√∂glich ist aber auch eine Infektion durch verunreinigte Gegenst√§nde und Personen. √úber eine begrenzte Zeit ist eine Ansteckung durch Viren in der Umgebungsluft m√∂glich.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen) ist in der Regel kurz (24 bis 48 Stunden), kann aber abhängig von individuellen Faktoren sehr variabel sein. Insbesondere bei Aborten sind Inkubationszeiten von mehr als 14-21 Tagen keine Seltenheit.

Equines Herpesvirus 4 kann ebenfalls eine Atemwegsentz√ľndung verursachen, jedoch keinen Virusabort. Die Viren gelangen √ľber die Nase (Tr√∂pfcheninfektion) in das Tier. Sie sind weit verbreitet und vielerorts endemisch, so dass es h√§ufig zu Reinfektionen kommt. Zu respiratorischen Erkrankungen kommt es meist nur bei Jungtieren oder geschw√§chten Tieren.

Eine T√ľcke bei allen Herpesvirus-Infektionen ist die Tatsache, dass sichtlich gesunde Pferde, die dem Virus ausgesetzt waren und sich infiziert hatten, das Virus insbesondere in Stress-Situationen ausscheiden und als sogenannte Virustr√§ger die Infektion auf andere Pferde √ľbertragen k√∂nnen.

Was ist im Falle eines Falls zu tun?

Treten bei einem Pferd Fieber, Atemwegssymptome (Nasenausfluss, Husten) und/oder neurologische Symptome auf, sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden. Dieser veranlasst weitere Ma√ünahmen wie gegebenenfalls Probenentnahme f√ľr diagnostische Untersuchungen. Ein Transport des betroffenen Pferdes sowie seiner Kontaktpferde sollte unbedingt vermieden werden.

Bei Krankheitsfällen ist darauf zu achten, dass die betroffenen Tiere isoliert werden und unnötiger Kontakt zu Menschen vermieden wird. Wer direkt Kontakt zu den erkrankten Pferden hatte, sollte andere Ställe nicht betreten. Die Quarantäne ist bis drei Wochen nach Abklingen der akuten Infektion aufrecht zu halten.

Beim Betreten und Verlassen eines Quarant√§nebereiches sollte eine Desinfektionswanne oder ‚Äďmatte verf√ľgbar sein und notwendige Ger√§tschaften ausschlie√ülich in diesem Bereich genutzt werden. Spezielle Schutzkleidung, die nur im Quarant√§nebereich betragen wird, wird ebenfalls empfohlen.

F√ľr R√ľckfragen stehen die Amtstier√§rzte/Amtstier√§rztinnen der hiesigen Veterin√§rbeh√∂rde, Dr. Rudolf M√ľller, Dr. Isabell Tammer und Dr. Cerstin Bla√ü, Telefon: 06031-8324-01, zur Verf√ľgung.