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Familienfreundlichkeit als Unternehmenskultur

19 Betriebe hat Landrat Jan Weckler am vergangenen Freitag als familienfreundliche Unternehmen Wetterau 2021 ausgezeichnet. Foto: Pressedienst Wetteraukreis

Landrat Jan Weckler zeichnet 19 Wetterauer Unternehmen aus

WETTERAUKREIS / FRIEDBERG. - Zum fĂŒnften Mal wurden Unternehmen aus dem Wetteraukreis fĂŒr ihre Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgezeichnet.

19 Unternehmen aus dem Wetteraukreis (Liste am Ende des Textes) wurden von Landrat Jan Weckler fĂŒr ihre familienfreundlichen Angebote ausgezeichnet. Zwölf der Unternehmen sind schon zum zweiten Mal dabei, sieben wurden als neue in den Kreis der familienfreundlichen Unternehmen Wetterau aufgenommen.

„Wir freuen uns, dass das Interesse an der Auszeichnung nach wie vor vorhanden ist und auch durch die Pandemie nicht gebremst wurde. Insgesamt konnten wir 55 Unternehmen fĂŒr Ihre familienfreundlichen Angebote auszeichnen“ so Kornelia SchĂ€fer, Leiterin Fachdienst Frauen und Chancengleichheit.

Die Auszeichnung wird vom Wetteraukreis und dem Arbeitskreis Beruflicher Wiedereinstieg vergeben, dem neben dem Fachdienst Frauen und Chancengleichheit und dem Fachbereich Jugend und Soziales des Wetteraukreises, das Jobcenter Wetterau, die Agentur fĂŒr Arbeit, FAB gGmbH, RDW Wetterau, das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft und die vhs Wetterau angehören.

Die Jury, in der die Kreishandwerkerschaft, die IHK, die Wirtschaftsförderung Wetterau und eine Unternehmerin vertreten sind hat ĂŒber die Vergabe der Auszeichnung entschieden.

Deutlich wurde bei der Verleihung, dass Familienfreundlichkeit keine Frage der GrĂ¶ĂŸe oder der Branche ist. Familienfreundlichkeit und Chancengleichheit in Unternehmen ist eine Frage der Unternehmenskultur.

Alle ausgezeichneten Unternehmen haben seit Beginn der Pandemie die Möglichkeit zu Homeoffice und mobiler Arbeit ausgebaut oder neu eingerichtet. Was zunĂ€chst notwendig war, um die ArbeitsfĂ€higkeit zu erhalten und Eltern die Betreuung ihrer Kinder zu ermöglichen, hat fĂŒr einen nachhaltigen Digitalisierungsschub gesorgt.

„Mobile Arbeit wird Bestandteil unserer Arbeitswelt bleiben. Videokonferenzen machen manche Fahrten zu Arbeitstreffen unnötig“, sagte Landrat Weckler. Gleichwohl sei es schön, sich auch einmal wieder live zu begegnen.

Die Erfahrung zeige, dass die Krise vor allem von den Unternehmen gut bewÀltigt wurde, die schon vorher familienfreundlich ausgerichtet waren, da hier eine flexible Arbeitsorganisation bereits eingespielt war.

„Die Vielfalt der Angebote und Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit in ihren Unternehmen zeigen, dass diese passgenau auf die Bedarfe der BeschĂ€ftigten ausgerichtet sind. Ziel ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie so leicht wie möglich zu machen.

Denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier entlastet sind, haben den Kopf frei fĂŒr Arbeitsaufgaben im Unternehmen“, betonte Landrat Jan Weckler.

Arbeitszeit und Arbeitsort sind wichtige Faktoren bei der Familienfreundlichkeit. Fast alle ausgezeichneten Unternehmen bieten flexible Arbeitszeitmodelle.

Vielfach gibt es Jahresarbeitszeitkonten. Die Möglichkeit zu Homeoffice und mobiler Arbeit wird ebenfalls geboten und im Notfall können auch Kinder mit zur Arbeit gebracht werden.

Wichtige Aspekte sind auch FĂŒhrungsstellen in Teilzeit und der Anteil von Frauen in FĂŒhrungspositionen. Einige Firmen gewĂ€hren ZuschĂŒsse zur Kinderbetreuung, bieten VĂ€tern lĂ€ngere Elternzeit und Teilzeitmodelle an und unterstĂŒtzen BeschĂ€ftigte, die Angehörige gepflegt haben, beim beruflichen Wiedereinstieg. Abgerundet wird das alles durch vielfĂ€ltige Gesundheitsangebote.

„Die Auszeichnung mache man nicht, um ihrer selbst willen, sondern wir wollen mit der Auszeichnung gute Beispiele zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie regional bekannt machen und andere Unternehmen zur Nachahmung anregen.

Ich bin ĂŒberzeugt davon, dass eine familienfreundliche Unternehmenskultur zur StĂ€rkung des Wirtschaftsstandorts Wetterau und zur LebensqualitĂ€t im Kreis beitrĂ€gt“, so Landrat Jan Weckler.

Der FachkrÀftemangel macht sich in vielen Branchen bereits jetzt bemerkbar. Vor diesem Hintergrund ist Familienfreundlichkeit ein wichtiger Baustein zur AttraktivitÀt und ZukunftsfÀhigkeit eines Unternehmens, gerade um FachkrÀfte zu halten und zu gewinnen.

„In einer Ă€lter werdenden Gesellschaft“, so Landrat Weckler, „wird die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen. Pflegende Angehörige brauchen, wie MĂŒtter und VĂ€ter auch, Zeit und FlexibilitĂ€t fĂŒr Familienaufgaben.

BeschĂ€ftigte, die von ihrem Betrieb bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstĂŒtzt werden, sind zufriedener und motivierter bei der Arbeit.

Als einer der grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber im Wetteraukreis haben wir mit den Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gute und langjĂ€hrige Erfahrung gemacht.

Flexible Arbeitszeiten, verschiedene Teilzeitmodelle und die mobile Arbeit werden gut genutzt. Wir werben offensiv damit, um geeignete FachkrĂ€fte zu gewinnen.“

Die 19 ausgezeichneten Unternehmen stammen aus ganz unterschiedlichen Branchen und haben ganz unterschiedliche BetriebsgrĂ¶ĂŸen.

Vom Friseursalon, mit fĂŒnf Mitarbeiterinnen, bis hin zur Stadt Bad Nauheim, mit annĂ€hernd 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, reicht das Spektrum vieler Dienstleister, aber auch öffentliche Arbeitgeber und Unternehmen aus dem Sozialbereich, der IT-Branche und dem Gastgewerbe sind dabei.

Folgende Unternehmen wurden ausgezeichnet:

1. Auszeichnung

ARTEC IT Solutions GmbH, Karben

Capacilon GmbH & Co. KG, Butzbach

Dolce bei Wyndham Bad Nauheim

Stadt Bad Nauheim

NiSiPharm GmbH, Florstadt

RegIntA GmbH, Altenstadt

Riedel Networks GmbH & Co. KG, Butzbach

2. Auszeichnung

Amt fĂŒr Bodenmanagement, BĂŒdingen

@one IT GmbH, Friedberg

Behindertenhilfe Wetteraukreis gGmbH, Nidda

blue networks GmbH, Altenstadt

Johanniter-Stift Karben

NSCON Network Services & Consulting GmbH, Altenstadt

PUNKTUM Werbeagentur GmbH, Bad Vilbel

REWE Markt GmbH – Verwaltungsstandort Rosbach

Salon Mila, Nidda

Sparkasse Oberhessen, Friedberg

Technische Hochschule Mittelhessen, Friedberg

TMK Thomas Mack Kommunikation GmbH, Friedberg

Im Anschluss an die Übergabe der Auszeichnung moderierte Sabiene Döpfner nach einer Vorstellungsrunde mit den neu ausgezeichneten Unternehmen, die ihre Arbeit vorstellten und Besonderheiten, die sie zu familienfreundlichen Unternehmen machten.

Einen umfassenden Ansatz verfolgt das Unternehmen Capacilon aus Butzbach. „Hier gilt der Grundsatz: Familie geht vor. Mit der Vision, dass im Jahr 2050 alle Firmen diesen Leitsatz sich zu Eigen machen“, sagte Jai Tamhane, der zudem Nachhaltigkeit und Chancengleichheit als Teil der Unternehmenskultur bezeichnete.

FĂŒr Matthias Wieliki, Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung Bad Nauheim, ist Familienfreundlichkeit auch eine Frage der Kultur, die sich langsam aber sicher durchsetzt, auch vor dem Hintergrund, dass Kommunalverwaltungen wie andere öffentliche Arbeitgeber auch Probleme haben, ausreichend NachwuchskrĂ€fte zu gewinnen.

Julia Gonzalez, von ARTEC IT Solution in Karben, hob die Unternehmenskultur und das Miteinander im Unternehmen hervor.

„Wir wollen glĂŒckliche Menschen in unserem Unternehmen, die so viel Zeit auf der Arbeit verbringen.“ Im Unternehmen in Karben gibt es Frauen in FĂŒhrungspositionen auch in Teilzeit, ein Eltern-Kind-BĂŒro und den Ansatz, dass Familienbedarfe hohe PrioritĂ€t haben.

FĂŒr das Hotel Dolce by Wyndham in Bad Nauheim war Jesse Jansen gekommen, dem es ein Anliegen ist, in einem Gewerbe, das 365 Tage im Jahr an 24 Stunden fĂŒr seine GĂ€ste da ist, dennoch Familienfreundlichkeit herzustellen.

Das geschieht unter anderem, indem in den einzelnen Bereichen genau geschaut wird, wer in welchem Servicebereich am besten arbeiten kann und das mit seiner eigenen Familiensituation abstimmen kann.

Gemeinsame Besprechungen finden grundsÀtzlich nur in einer Kernzeit statt, in der alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können. Und etwas ganz Besonderes betraf die Ausbildung wÀhrend der Pandemiezeit.

Die wurde nĂ€mlich genutzt, um Kontakte zu GeschĂ€ftspartnern und Lieferanten zu knĂŒpfen, so dass die Auszubildenden in der KĂŒche oder im Service die ganze Wertschöpfungskette kennenlernen, beispielsweise bei Landwirten die Herstellung der Produkte.

Dr. Silke Sittner vertrat das Unternehmen NiSiPharm in Florstadt, das kein festes BĂŒro kennt. Hier arbeiten alle BeschĂ€ftigten von zu Hause aus, bei freier Gestaltung der Arbeitszeiten, mit individuellen Teilzeitmodellen in Jahresarbeitszeitkonten und einer Arbeitsorganisation, die umfassend individuelle und familiĂ€re Bedingungen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berĂŒcksichtigt.

Verena Knippel vertrat das Unternehmen RegIntA aus Altenstadt, ebenfalls aus der IT-Branche. Die insgesamt sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten verteilt in Deutschland, alle im Homeoffice.

Wöchentliche Absprachen zur Aufgabenverteilung, flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten und Arbeitszeiten angepasst an die familiÀren und individuellen Situationen sind auch hier Standards. Zweimal im Jahr gibt es gemeinsame Treffen vor Ort mit der ganzen Familie. Vertrauen ist hier das A und O.

FĂŒr Michael Martens, von Riedel Networks in Butzbach, ein IT-Anbieter mit knapp 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ist die FĂ€higkeit zum strukturierten Arbeiten gerade im Homeoffice und bei freier Zeiteinteilung ein ganz wichtiges Element zum Erfolg.

Eine Besonderheit sind die FrĂŒhstĂŒcksrunden mit Mitarbeiterschulungen, die aufgezeichnet und damit allen verfĂŒgbar gemacht werden, die nicht vor Ort sein können. Auch das ist ein einfacher Schritt zur Familienfreundlichkeit und Chancengleichheit fĂŒr alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein erfolgreicher Abend, der allen Beteiligten viel gebracht hat, insbesondere der Austausch untereinander. Denn eines verbindet alle familienfreundlichen Unternehmen: Der Wunsch sich weiterzuentwickeln und ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben.