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10 Jahre Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in der Wetterau

Frank Lotz (Maschinenring Wetterau), Dr. Matthias Peter (IngenieurbĂŒro „Schnittstelle-Boden“), Kreisbeigeordneter Matthias Walther, Kreislandwirt Michael Schneller und Hermann Götz; Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft in der Kreisverwaltung Wetterau (von links nach rechts). Foto: Pressedienst Wetteraukreis

Freiwillige Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Fachbehörden und Beratern zeigt klare Erfolge

WETTERAUKREIS / FRIEDBERG. - Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU findet auch im Wetteraukreis seit vielen Jahren praktische Umsetzung.

Im Haus der Umwelt trafen sich kĂŒrzlich der Fachdienstleiter Landwirtschaft des Wetteraukreises Hermann Götz, Kreislandwirt Michael Schneller sowie die Vertreter der Beratungsinstitutionen Dr. Matthias Peter (Ing. BĂŒro Schnittstelle Boden) und Frank Lotz (Maschinenring Wetterau e.V.), um ein ResĂŒmee der vergangenen 10 Jahre zu ziehen.

Es galt einen einheitlichen Ordnungsrahmen zum Schutz der OberflÀchengewÀsser sowie des Grundwassers zu schaffen mit dem Ziel, europaweit einen guten Zustand aller Grund- und OberflÀchengewÀsser zu erreichen.

Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Matthias Walther zeigte sich mit den vorgestellten Erfolgen und der stetig zunehmenden Wasserschutzleistung der Wetterauer Landwirtinnen und Landwirte sehr zufrieden.

Einleitend blickte Hermann Götz auf die lange Tradition des landwirtschaftlichen Grundwasserschutzes im Wetteraukreis zurĂŒck, die bereits in den 1990er Jahren im Rahmen einer kreisweiten Kooperation ihren Ursprung fand.

Hieraus hat sich eine tragfÀhige Infrastruktur entwickelt, in deren Rahmen die beiden Beratungsinstitutionen im Auftrag von 17 Wasserversorgern bis heute die grundwasserschutzorientierte landwirtschaftliche Beratung in 30 Wasserschutzgebieten im Wetteraukreis und den angrenzenden Gebieten sicherstellen.

Als TrĂ€ger in den verschiedensten Projekten und verlĂ€ssliche Anlaufstelle fĂŒr alle Beteiligte habe oftmals der Wetteraukreis fungiert.

So sei es auch im Jahre 2012 selbstverstÀndlich gewesen, dass der Landkreis dem RegierungsprÀsidium Darmstadt als Landesvertretung die Umsetzung der WRRL in der Region anbot, denn ebenso wie in den Wasserschutzgebieten habe die WRRL zum Ziel, mögliche Nitrat- und PhosphateintrÀge in die GewÀsser durch eine gezielte landwirtschaftliche Wasserschutzberatung zu minimieren.

Wichtige Synergien mit der Arbeit in den Wasserschutzgebieten seien hier zu erwarten und gewĂŒnscht gewesen, so Götz weiter.

Auch Kreislandwirt Michael Schneller hob die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre hervor. Als zentralen Bestandteil des Erfolges sieht er hierbei, dass die Landwirte sich freiwillig und vertrauensvoll unter oft hohem Kosten- und Zeitaufwand im Wasserschutz engagieren. Matthias Peter und Frank Lotz trugen anschließend Inhalte und Erfolge des zurĂŒckliegenden Beratungszeitraums zusammen.

„Schon zum Beratungsbeginn im Jahr 2012 umfasste der WRRL-Maßnahmenraum 72 Gemarkungen mit rund 800 Landbewirtschaftern der zentralen Wetterau zwischen Hungen und Frankfurt sowie zwischen Taunus und dem BĂŒdinger HĂŒgelland.

Im Jahr 2018 erfolgte eine Erweiterung auf 83 Gemarkungen, wodurch auch die Anzahl der beratenen Landwirte auf rund 900 anstieg. Ebenso wurden die Maßnahmen um die Erosionsschutzberatung auf besonders gefĂ€hrdeten FlĂ€chen ergĂ€nzt.

Anders als die Wasserschutzgebietsberatung wirkt die Beratung im Zuge der WRRL somit flĂ€chenhafter auf Maßnahmenraumebene, welche aktuell rund 25.000 ha Ackerland sowie 4.800 ha GrĂŒnland umfasst“, leitete Frank Lotz ein.

Die Beratung

„Konkretes Ziel der Beratung ist es, dass alle NĂ€hrstoffe, insbesondere das verlagerungsgefĂ€hrdete Nitrat, durch die angebaute Kultur optimal aufgenommen werden. So können ÜberschĂŒsse und mögliche Emissionen in die GewĂ€sser, aber auch in andere Ökosysteme minimiert werden“, fasste Matthias Peter zusammen.

Dies erfordere zum einen eine genaue Bemessung des NÀhrstoffbedarfs der Kulturen, zum anderen aber auch eine gute Bewirtschaftung und sichere ErtrÀge.

Diese Sachverhalte seien selbstverstĂ€ndlich auch im Interesse der Landwirte, denn die Optimierung von DĂŒnger als kostenintensive Betriebsmittel sowie die effiziente Umwandlung in ErtrĂ€ge seien Grundlage fĂŒr die Produktion hochwertiger regionaler Lebensmittel, so Peter weiter.

Um die Landwirte hierbei zu unterstĂŒtzen, werden sie mit verschiedensten Beratungsinstrumenten ĂŒber das ganze Jahr begleitet. Bereits im FrĂŒhjahr wird der pflanzenverfĂŒgbare mineralische Bodenstickstoff (Nmin) an rund 800 Standorten im Kreisgebiet durch eine Bohrung bis 90 Zentimeter Tiefe untersucht.

Neben diesen gemessenen Nmin-Werten berĂŒcksichtigen die Berater aber noch weitere Stickstoffquellen, welche durch eine hohe BodengĂŒte, besondere Vorjahreskulturen oder durch organische DĂŒnger in den Vorjahren begrĂŒndet sein können.

Auf Basis dieser Informationen, Bestandsbegutachtungen und Witterungsbeobachtungen erhalten alle Landwirte somit zu Vegetationsbeginn eine erste DĂŒngeempfehlung.

„Eine erste FrĂŒhjahrs-Empfehlung ist jedoch nur ein Teil der Beratung. Weiterer zentraler Bestandteil sind vegetationsbegleitende DĂŒngeberatungen zu Weizen, Gerste oder Mais im April, Mai und Juni.

Durch Messungen des Chlorophyllgehaltes bzw. Pflanzensaftuntersuchungen können hier verlĂ€ssliche Aussagen zum aktuellen Versorgungszustand der Kulturen getroffen werden und mögliche ErgĂ€nzungsdĂŒngungen wasserschutzfachlich bemessen werden“, erlĂ€uterte Frank Lotz.

Aber auch nach der Ernte erwarten Landwirte und Berater erneut wichtige Wasserschutzaufgaben. Zum einen kann es auch bei wasserschutzfachlich optimierter Bewirtschaftung durch Trockenheit oder Krankheitsdruck zu schwachen Ernten und somit NĂ€hrstoffĂŒberhĂ€ngen kommen.

Zum anderen besitzen die fruchtbaren Wetterauer Lösslehmstandorte selbst ohne jede DĂŒngung in ihrer Krume bis 30 Zentimeter Tiefe einen natĂŒrlichen Gehalt von rund 5.000 Kilogramm organisch gebundenem Stickstoff je Hektar.

Dies ergaben aktuelle Untersuchungen im Rahmen der Beratung. Ein Teil hiervon kann bei Wiederbefeuchtung und DurchlĂŒftung nach der Ernte durch Mikroorganismen in potenziell verlagerbaren mineralischen Stickstoff (Nitrat) umgewandelt werden.

Matthias Peter wies darauf hin, dass in diesem Zusammenhang eine reduzierte Bodenbearbeitung nach der Ernte, aber insbesondere der Nachbau von Kulturen mit hoher Stickstoffaufnahme unverzichtbar sei, um Reststickstoff nach der Ernte in Pflanzenmasse zu binden.

In manchen FĂ€llen folge nach der Ernte erst im darauffolgenden FrĂŒhjahr die Saat der eigentlichen Kultur, wie ZuckerrĂŒbe oder Mais. Vor solchen sogenannten „Sommerungen“ sei der Anbau einer „Zwischenfrucht“ von großer Bedeutung.

Mischungen mit lila blĂŒhender Phacelia und Klee oder gelb blĂŒhendem Senf speicherten nach der Ernte bis zu 100 Kilogramm Nitrat pro Hektar freiwerdende Rest-Stickstoffmengen und verhinderten dessen Verlagerung ĂŒber die winterliche Sickerwasserperiode.

„Nach dem Abfrieren der ZwischenfrĂŒchte ĂŒber Winter stehen dann Stickstoff und viele andere NĂ€hrstoffe den folgenden Sommerungen wieder zur VerfĂŒgung. Nicht nur fĂŒr den GewĂ€sserschutz, sondern auch fĂŒr den Bodenschutz und die Bodenfruchtbarkeit haben diese ZwischenfrĂŒchte einen enormen Nutzen“, bekrĂ€ftigte Peter.

GegenwĂ€rtig werden im Maßnahmenraum schĂ€tzungsweise rund 50 Prozent aller möglichen FlĂ€chen begrĂŒnt. Dies sei den Landwirten hoch anzurechnen, doch seien weitere Steigerungen möglich.

Organische DĂŒnger und Wasserschutz

„Ein weiteres wichtiges Beratungsthema stellen die organischen DĂŒnger da“, fĂŒhrte Frank Lotz weiter aus. Zwar falle nur relativ wenig GĂŒlle und Mist aus den wenigen verbliebenen Tierhaltungsbetrieben im Maßnahmenraum an, doch mit dem wichtigen Ziel geschlossener NĂ€hrstoffkreislĂ€ufe und dem Bedarf an regenerativer Energie wĂŒrden kommunale Bioabfallkomposte, KlĂ€rschlĂ€mme sowie GĂ€rreste aus Biogasanlagen als wertvoller MehrnĂ€hrstoffdĂŒnger auf landwirtschaftlichen FlĂ€chen im Maßnahmenraum eingesetzt.

Bei diesen DĂŒngern seien große Anteile des Stickstoffs zunĂ€chst organisch gebunden und wĂŒrden erst mit Verzögerung pflanzenverfĂŒgbar. Genaue Analysen, Informationen zur Stickstofffreisetzung und VerteilplĂ€ne hĂ€tten in den vergangenen Jahren erheblich dazu beigetragen, dass organische DĂŒnger optimiert eingesetzt werden.

Die Pflanzen können die frei werdenden NĂ€hrstoffe besser verwerten, was zu einer klaren Verminderung der Herbst-Nmin-Werte auf organisch gedĂŒngten FlĂ€chen gefĂŒhrt habe.

Kreisweite Arbeitskreise zu den Themen Kompost und GĂ€rrest wĂŒrden zudem im Rahmen der WRRL-Beratung jĂ€hrlich Landwirte, Betreiber von Kompost- und Biogasanlagen sowie Fachbehörden zusammenfĂŒhren und zu einem optimierten NĂ€hrstoffmanagement im Sinne des Wasserschutzes beitragen.

Erfolgreiche Erreichung der WRRL-Ziele

„Wie in den Wasserschutzgebieten wird auch im Rahmen der WRRL-Beratung der Erfolg anhand bestimmter Parameter gemessen“, griff Matthias Peter das wichtige Thema auf. Diese seien im Rahmen der WRRL hessenweit einheitlich durch die Stickstoff- und Phosphor-Bilanzen reprĂ€sentativer Leitbetriebe definiert.

Vereinfacht gesagt wĂŒrde hier bilanziert, welche Mengen der genannten NĂ€hrstoffe durch DĂŒngereinkauf, aber auch Saatgut oder Tiere auf den Betrieb gelangen bzw. diesen durch Erntegut, GĂŒlle oder Tierverkauf wieder verlassen.

Schon allein dieser rechnerische Bilanzwert belege, wie erfolgreich die intensive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Beratung zu einer verbesserten NĂ€hrstoffeffizienz beigetragen habe.

HĂ€tten beispielsweise die mittleren N-Salden dieser sogenannten Hoftorbilanz im ersten Beratungsjahr 2013 noch einen mittleren Überschuss von 37 Kilogramm Nitrat pro Hektar ausgewiesen, lag dieser 2019 nur noch bei 4 Kilogramm Nitrat pro Hektar.

„Dieser Erfolg wird zudem durch einen weiteren wichtigen Erfolgsparameter, nĂ€mlich die jĂ€hrlichen Untersuchungen des mineralischen Stickstoffs im Herbst belegt“, fĂŒhrte Frank Lotz weiter aus.

Im Herbst 2020 wurde mit einem Mittelwert von 56 Kilogramm Nitrat pro Hektar der geringste Herbstwert seit 2012 gemessen.

Über diese Entwicklung freue man sich besonders, da dieser Wert zwar erheblich durch eine grundwasserschutzoptimierte Bewirtschaftung gering gehalten werden kann, jedoch auch durch Witterungsextreme wie Trockenphasen beeinflusst wird.

Im Dezember 2021 beginnt die Umsetzungsphase des 3. Bewirtschaftungsplanes, deren Laufzeit bis Ende 2027 geplant ist. „Unter den Beteiligten herrscht Einvernehmen, dass die Ergebnisse auch im zukĂŒnftigen Beratungszeitraum zu konsolidieren sind.

Die bisherigen Erfolge sind beachtlich und erfreulich. Besonders beim Herbstwert ist dennoch eine weitere Senkung des Nitratgehalts pro Hektar anzustreben.

Hier werden wir unsere Landwirtinnen und Landwirte seitens des Wetteraukreises weiterhin nach besten KrĂ€ften beratend unterstĂŒtzen.“, so Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Matthias Walther.