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Glasfaser fĂŒr alle Haushalte: BĂŒrgermeister wollen gemeinsam handeln

Gemeinsam wollen die BĂŒrgermeister Dr. Isabell Tammer, Manfred Wetz (links) und Eike See wollen einen gemeinsamen flĂ€chendeckenden Glasfaserausbau in MĂŒnzenberg, Rockenberg und Wölfersheim realisieren. Foto: Sebastian Göbel

MÜNZENBERG / ROCKENBERG / WÖLFERSHEIM. - Keine andere technische Entwicklung hĂ€lt so schnell Einzug in die verschiedensten Bereiche unseres tĂ€glichen Lebens wie das Internet.

Ob bei der Arbeit im Homeoffice oder beim ruckelfreien Anschauen eines Filmes, eine schnelle Internetverbindung wird immer wichtiger. Um dies zu erreichen soll der Glasfaserausbau in MĂŒnzenberg, Rockenberg und Wölfersheim nun vorangetrieben werden.

Die BĂŒrgermeister Dr. Isabell Tammer, Manfred Wetz und Eike See haben hierzu eine gemeinsame Vorlage erarbeitet, die nun in die jeweiligen örtlichen Gremien eingebracht wird. Damit soll ein flĂ€chendeckender Glasfaserausbau in der Gemeinde realisiert werden.

Unvorstellbare Datenmengen werden ĂŒber ein modernes Glasfasernetz um den gesamten Globus ĂŒbertragen. In vielen Regionen liegt der Flaschenhals der Verbindung direkt vor der HaustĂŒr.

Auf der sogenannten „letzten Meile“, also der Verbindung ins Haus, wird auch in den drei Kommunen noch die alte und störanfĂ€llige Kupferdrahtverbindung genutzt. Diese wird von vielen Nutzern geteilt, und je weiter ein Haus entfernt liegt, umso geringer ist die Geschwindigkeit.

Durch die Deutsche Telekom wurden viele Bereiche mit der Vectoring-Technik erschlossen, was die Versorgung der Haushalte mit Internet verbessert hat. Der Standard liegt etwa 50 Mbit, bestenfalls 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload.

Auch diese Technologie basiert weiterhin auf dem klassischen Kupferkabel, was sich in nicht allzu ferner Zukunft als Bremse bemerkbar machen wird. Die seinerzeit von der Telekom in Aussicht gestellte Weiterentwicklung „Supervectoring“ lĂ€sst auf sich warten.

Diese hĂ€tte dann aber auch bei 300/50 Mbit/s ihre Grenze erreicht, da die „letzte Meile“, also das alte Kupferkabel, das von den neuen VerteilerkĂ€sten in die HĂ€user geht, damit technisch vollends ausgereizt wĂ€re.

Glasfaserleitungen hingegen ĂŒbertragen Daten mit der höchsten Geschwindigkeit ĂŒberhaupt – mit Lichtgeschwindigkeit,  und ein flĂ€chendeckender Ausbau bis zum Endverbraucher (Fiber-to-the-home, FTTH) ist auf Dauer unverzichtbar und daher zwingend erforderlich.

Bisher ist Glasfaser nur in wenigen Ortschaften direkt bis zu den Endverbrauchern verlegt. „Im Vergleich zu anderen LĂ€ndern hĂ€ngt Deutschland beim Glasfaserausbau hinterher. Direkte AnschlĂŒsse wurden bisher nur dort verlegt, wo es sich lohnt, also in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten.

Die lĂ€ndlichen Regionen werden dadurch abgeschnitten. Eine gute Internetverbindung wird aber fĂŒr alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger immer wichtiger und ist inzwischen ein entscheidender Standortfaktor fĂŒr Privatpersonen und Gewerbetreibende.

Wie wollen wir es erreichen, dass weniger Menschen in die Zentren pendeln, wenn die Infrastruktur fĂŒr das Arbeiten von zu Hause schlichtweg nicht ausreichend ist?

Wir mĂŒssen jetzt in unsere Zukunft investieren und nicht, wenn es schon zu spĂ€t ist,“ unterstreicht BĂŒrgermeister Eike See und verweist dabei auf andere Planungen.

Die Telekom hat signalisiert, dass ein Glasfaserausbau frĂŒhestens ab 2025 in Betracht komme. Ob dieser dann tatsĂ€chlich zeitnah realisiert werden kann, ist fraglich.

Arbeit ĂŒber Gemeindegrenzen

Die BĂŒrgermeister aus Rockenberg, Wölfersheim und MĂŒnzenberg haben sich bereits seit einiger Zeit gemeinsam ĂŒber die Möglichkeiten zum Ausbau ihrer Kommunen mit Glasfaser informiert.

„Eine gemeinsame Erschließung bietet sich mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit und aufgrund der geographischen Lage der Kommunen an.

Es besteht Konsens, dass die Kommunen einen Breitbandausbau in eigener Regie sowohl finanziell als auch personell nicht alleine leisten können. Glasfaserleitungen sind zudem Voraussetzung fĂŒr den 5G-Ausbau des Mobilfunks“, berichtet Manfred Wetz.

In den vergangenen Monaten wurden daher verschiedene Firmen kontaktiert und die Vorgehensweisen und Bedingungen fĂŒr einen Glasfasernetzausbau intensiv geprĂŒft und diskutiert. Das Ergebnis dieser GesprĂ€che wurde in einer Matrix zusammengefasst und analysiert.

Oberste PrioritĂ€t bei der Beurteilung der verschiedenen Anbieter hatte die Art der Kabelverlegung. „Die Glasfaserkabel werden hĂ€ufig kostensparend in einer Tiefe von 20 bis 40 cm unter Straßen-/Gehwegoberkante verlegt, was bei spĂ€teren Tiefbauarbeiten zu Problemen fĂŒhrt, da standardmĂ€ĂŸig Leitungen und Kabel in einer Tiefe von 60 bis 80 cm verlegt werden.

Weitere wichtige Faktoren waren die Kosten, die möglicherweise auf eine Kommune und die Endkunden zukommen, die Möglichkeit fĂŒr andere Anbieter, sich in dieses Netz einzumieten (Open Access) sowie die Investoren im Hintergrund, die die finanzielle StabilitĂ€t der Unternehmen und den spĂ€teren Betrieb gewĂ€hrleisten sollen“, fasst Dr. Isabell Tammer zusammen.

Die Unternehmen bauen nach vergleichbaren Kriterien aus, bei genauerer PrĂŒfung gibt es jedoch Unterschiede. Nach eingehender AbwĂ€gung und PrĂŒfung der Referenzen wird von den drei BĂŒrgermeistern ĂŒbereinstimmend die Firma GVG Glasfaser GmbH aus Kiel, deren Investor seinen Sitz in Frankfurt hat und deren Vertriebspartner in Bad Nauheim ansĂ€ssig ist, als das am besten geeignete Unternehmen befunden.

Ausbau bis 2023 möglich

Der Ausbau der drei Wetterauer Kommunen wird kostenfrei erfolgen. Es ist dazu der Abschluss eines entsprechenden Kooperationsvertrages zur UnterstĂŒtzung bei der Werbung und bei den Ausbaumaßnahmen sowie die Bereitstellung einer FlĂ€che fĂŒr den „Point of Presence“ (POP=Ă€hnliches eines großen Stromverteilerkastens) durch die Kommune erforderlich.

Die Arbeiten könnten in 2022 in einer Kommune beginnen und schrittweise in den anderen Kommunen fortgefĂŒhrt und 2023 abgeschlossen werden.

Ob dies so kommt, ist nun von der Zustimmung der Gremien abhĂ€ngig. Die von den BĂŒrgermeistern erarbeitet Vorlage soll parallel in allen Kommunen eingebracht werden. Darin sollen die Parlamentarier ĂŒber einen Kooperationsvertrag mit der GVG Glasfaser GmbH abstimmen.

Den Vertrag hat man vorab bereits vom Hessischen StĂ€dte- und Gemeindebund rechtlich und inhaltlich prĂŒfen lassen. „Wir haben uns in unzĂ€hligen Sitzungen und GesprĂ€chen mit diesem Thema beschĂ€ftigt.

Die Entscheidung ist fĂŒr unsere Kommunen nicht mit Kosten verbunden, sie ist aber entscheidend fĂŒr die kĂŒnftige Entwicklung. Aus diesem Grund soll die Vorlage zur weiteren Beratung in die FachausschĂŒsse verwiesen werden.

Dort soll sich das Unternehmen vorstellen und auch von bisher umgesetzten Projekten berichten. Wir sind zuversichtlich, dass die Parlamentarier in allen drei Kommunen sich ĂŒber die Bedeutung dieser Kooperation im Klaren sind und die Bedeutung des Glasfaserausbaus fĂŒr die Zukunft unserer Kommunen zu schĂ€tzen wissen“, sind sich Tammer, Wetz und See einig.