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Lebensraum für das Efeu-Moorglöckchen

Das Efeu-Moorglöckchen erstrahlt in voller Blüte.

Das Efeu-Moorglöckchen fühlt sich in seinem neuen Refugium wohl. Fotos: Julia Kreimeier / Kreisverwaltung

Biodiversitätsprojekt des Landes Hessen startet in entscheidende Phase

ODENWALDKREIS / BAD KÖNIG. - In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Odenwald (NZO) ist in diesem Jahr ein neues Biodiversitätsprojekt der Kreisverwaltung in die entscheidende Phase gestartet.

Das vom Land Hessen über die Biodiversitätsstrategie finanzierte Projekt dient der Erhaltung des besonders geschützten Efeu-Moorglöckchens im Odenwaldkreis.

Für den Schutz dieses kleinen Pflänzchens trägt das Land Hessen eine besondere Verantwortung, da hier noch mehrere natürliche Vorkommen der sonst in Westeuropa beheimateten, äußerst seltenen Art liegen.

2018 konnte das letzte bekannte Vorkommen im Landkreis im Gebiet Bad König gemeinsam mit dem NZO durch ein Biodiversitätsprojekt gesichert werden. In diesem Jahr konnten dort bereits wieder über 40 Exemplare gezählt werden, die fleißig blühen und Samenstände ausbilden.

Da sich das Moorglöckchen wohlzufühlen scheint, ist ein weiteres Projekt ins Leben gerufen worden, um die seltene Art im ursprünglich größeren Verbreitungsgebiets des Odenwaldes wieder anzusiedeln.

Offizieller Start war bereits im Winter 2019: In einem ersten Schritt stimmten das Land Hessen als einer der Haupt-Flächeneigentümer sowie viele weitere Privateigentümer der Umsetzung im Vorfeld zu.

Daraufhin wurden Flächen im historischen Verbreitungsgebiet um Bad König und Vielbrunn von einem professionellen Botaniker auf ihre Eignung überprüft und ausgewählt. Anfang Oktober sind die Efeu-Moorglöckchen schließlich ausgepflanzt worden.

„Die positiven Rückmeldungen der Privateigentümer freuen uns natürlich besonders“, erklärt Julia Kreimeier von der Abteilung Landschaftspflege und Naturschutz des Odenwaldkreises, die dieses Projekt maßgeblich koordiniert.

Das Moorglöckchen hat den Vorteil, dass es sehr klein ist und die Bewirtschaftung der Flächen nicht beeinträchtigt, worüber sich viele Eigentümer freuen.

Rückfragen zum Projekt kämen vor allem zu Schutzmaßnahmen für die Pflanze, wie beispielsweise gegen Verbiss durch Wild – allerdings wird der Natur an dieser Stelle nicht weiter unter die Arme gegriffen.

Die ausgebrachten Exemplare sind zum Teil in Blüte und mit Samenständen versehen worden, sodass sich die Art an den passenden Standorten, die mit großer Sorgfalt ausgewählt wurden, in Eigenregie etablieren muss.

Insbesondere zur Auspflanzung zeigte sich, dass auch dieser Sommer deutlich zu trocken war. Von den ausgewählten Standorten sind daher nur diejenigen mit ausreichend Bodenfeuchte bepflanzt worden.

Gerade im Zuge der klimatischen Veränderungen und dem damit verbundenen Anstieg von längerfristigen Dürreperioden kann das Efeu-Moorglöckchen zukünftig ein guter Indikator sein. Sollten die neuen Standorte also aufgrund zunehmender Trockenheit erlöschen, wäre dies ein sehr ernstes Warnzeichen.

Denn gerade die oft anmoorigen Quellbereiche, die das Moorglöckchen liebt, halten Wasser in der Landschaft zurück und sorgen für eine geregelte Grundwassererneuerung. Zudem sind diese Biotope artenreiche Lebensräume für viele andere Tiere und Pflanzen.

Im kommenden Jahr werden die Standorte erneut aufgesucht und überprüft, ob sich das Efeu-Moorglöckchen ansiedeln konnte.

„Da hoffen wir natürlich das Beste“, erklärt Jutta Schmitz von der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Darmstadt. Freuen werden sich die Beteiligten über jedes Moorglöckchen, das auch im nächsten Jahr noch vorhanden ist.