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Im Odenwald wird es ernst mit der Windkraft

Gr├╝ne Verspargelung, eventuell auch noch in Wohngebieten, wie hier dargestellt, ist in der Stadt Oberzent nicht gefragt und r├╝ckt derzeit dennoch bedrohlich nah. Fotomontage: Jeanne Kloepfer

Heute schreibt Jakob Ihrig, Raubach, posthum seine satirische Betrachtung zu aktuellen Initiativen der Windkraftprojektierer in der Oberzent, die Z├╝ge von Kaffeefahrten windiger Gesch├Ąftemacher offenbaren

ODENWALD. - In den vergangenen Jahren hat das gr├╝ne ├ľko-RP in Darmstadt die Auslegungspraxis f├╝r Bundes- und Landesgesetze soweit perfektioniert, dass Projektierer von Windkraftanlagen praktisch freie Bahn haben und bauen k├Ânnen, wo und wie sie wollen.

Es ist alles m├Âglich und jeder Projektierer kann sich auf ein wohlwollendes Durchwinken seines Bauantrages freuen.

Entsprechend sind auch mehrere Firmen in der Oberzent unterwegs. In Rothenberg ist es die Firma PNE aus Cuxhaven, die gerade versucht, Landverp├Ąchter einzuwerben und ihnen ihre Waldgrundst├╝cke abzuluchsen.

Da sich flugs eine B├╝rgerinitiative gegr├╝ndet hatte, die auch eine beachtliche Demo auf die Beine stellen konnte, zog es die PNE vor, die n├Ąchste ÔÇ×Verkaufspr├ĄsentationÔÇť quasi offshore an einem ÔÇ×geheimenÔÇť Ort durchzuf├╝hren.

Waldbesitzer wurden im Bus zu einer Art Verkaufsveranstaltung gekarrt, wie man es von Rheumadeckenfachvertrieben kennt. Dort wurden sie in einem Lokal entsprechend bearbeitet.

Mit von der Partie war auch der schillernde B├╝rgermeister der Oberzent, der dort aufrichtig die Interessen der Stadt vertrat, wie er danach eifrig den Fraktionen im Rathaus mitteilte.

Hierbei ist zu erw├Ąhnen, dass die Stadtverordneten am 31. Januar 2020 mehrheitlich den Beschluss gefasst haben, dass die Stadt keine Windindustrieparks in der Oberzent w├╝nscht, und ihre eigenen Fl├Ąchen nicht f├╝r Windkraftprojekte oder Zuwegungen zur Verf├╝gung stellt. Das bindet nat├╝rlich den B├╝rgermeister, ob er will oder nicht.

Als zweites Projekt hat die Firma Juwi am Katzenwinkel in Etzean drei Windindustrieanlagen jeweils mit einer H├Âhe von 250m geplant. Die Offenlegung des Vorhabens wurde am 25.8.2020 f├╝r den 14.9.2020 angek├╝ndigt.

Von der Stadtverwaltung war dazu bisher nichts zu h├Âren. Vielleicht ist der Brief des RP noch auf dem internen Dienstweg im Rathaus unterwegs, schlie├člich ist die ├Âffentliche Bekanntmachung des RP gerade einmal zwei Wochen alt.

Die Stadt Oberzent mit ihren verschiedenen Dependancen hat sich ja trotz Gemeindefusion ihren feingliedrigen Verwaltungsapparat erhalten k├Ânnen.

Da kann es schon mal die eine oder andere Woche dauern, bis ein wichtiger Brief des RP die einzelnen Dienststellen durchlaufen hat und vom diensthabenden Hauptbotenmeister einer geeigneten Verwaltungsstelle zugeleitet werden kann.

Au├čerdem mag es Wichtigeres geben, wie beispielsweise das Vieljahresprojekt Stra├čenbau, das die Verwaltung als besonderen Leckerbissen nat├╝rlich in vollen Z├╝gen ausverwalten m├Âchte, und das zudem auch einen Gro├čteil der st├Ądtischen Kr├Ąfte mit Schreib-Lesef├Ąhigkeiten bindet.

Wie dem auch sei. Die Offenlegung des Projektes startet in wenigen Tagen, konkret am 14. September 2020. Die Unterlagen sind dann bei der Stadt im gro├čen Sitzungssaal einsehbar.

Einspr├╝che k├Ânnen bis 13.11.2020 eingereicht werden. Diese werden dann gew├Âhnlich vom gr├╝nen ├ľko-RP in Darmstadt weggeb├╝gelt.

├ťblicherweise erh├Ąlt man eine Eingangsbest├Ątigung und sp├Ąter dann ein Ablehnungsschreiben. Trotzdem empfehlen die B├╝rgerinitiativen vom Recht auf Einwendungen reichlich Gebrauch zu machen, man kann ja nie wissen.

Theoretisch k├Ânnen dann die Genehmigungen f├╝r den Katzenwinkel noch in diesem Jahr erteilt werden - wie immer beim gr├╝nen ├ľko-RP mit Sofortvollzug, sodass eine Klage das Projekt nicht stoppen kann.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Stadt langsam aus ihrer Duldungsstarre erwacht und alle rechtlichen Mittel in Bewegung setzt. Man kann nur hoffen, dass hier keine Fristen verschlafen werden (man will ja nichts unterstellenÔÇŽ).

Bisher konnten alle Begehrlichkeiten von Projektierern abgewehrt werden, da sowohl der B├╝rgermeister durch Beschluss der Stadtverordneten gebunden wurde, als auch die Waldbesitzer im Sinne der Oberzent und ihrer B├╝rger handelten und keine Fl├Ąchen verpachteten.

Man kann nur hoffen, dass dies auch weiterhin so bleibt, und keiner der erste Dominostein in der Oberzent sein will, der sich ├╝ber den Tisch ziehen l├Ąsst und damit allen B├╝rgern Schaden zuf├╝gt.