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Streng gesch√ľtzte Schwarzst√∂rche und Rotmilane zeigen kein Meideverhalten vor todbringenden Windkraftanlagen

Im Odenwald beobachtet: F√ľtterung der Schwarzstorch-Jungtiere.

Der Rotmilan zieht im Odenwald seine Kreise. Fotos: MUNA

Bad K√∂nig-Zell: Verein MUNA e.V. kl√§rt auf √ľber Schwarzstorch und Rotmilan im Odenwald

BAD K√ĖNIG. - Entgegen der bis vor einigen Jahren verbreiteten Meinung, dass der Schwarzstorch im Odenwald nicht vorkomme, konnte der Verein MUNA e.V. durch mehrj√§hrige Untersuchungen und Kartierungen einen fl√§chendeckenden Bestand des streng gesch√ľtzten Schwarzstorches von 16 Paaren im gesamten Odenwald belegen.

Der Vorsitzende des Vereins MUNA e.V., Mensch, Umwelt-, Natur- und Artenschutz, Dirk Bernd, berichtete bei einer Veranstaltung des NABU Kreisverbandes Odenwald vor einer gro√üen Zahl interessierter Zuh√∂rerInnen im Gasthaus zur Krone in Bad K√∂nig-Zell √ľber die Lebensweise und die Verhaltens√∂kologie des seltenen Schwarzstorches, sowie √ľber die Gefahren, denen er ausgesetzt ist.

In der vergangenen Brutsaison in 2018 gelang es der Gruppe um Dirk Bernd, wieder mehrere Horste des seltenen Schwarzstorches im Odenwald ausfindig zu machen und die Aufzucht der Jungen mit eindrucksvollen Bildern zu dokumentieren.

Pro Paar wurden 2 bis 5 Junge in diesem witterungsbedingt g√ľnstigen Brutjahr gro√ügezogen. Durchschnittlich wurden pro Brutpaar drei Jungst√∂rche fl√ľgge. Sind die Jungen geschl√ľpft, werden sie in den ersten zwei Wochen von einem Altvogel, meist dem Weibchen, nicht aus den Augen gelassen und vor Gefahren gesch√ľtzt.

Sp√§ter bringen die Eltern in ihrem Kropf in 2- bis 3-st√ľndigen F√ľtterungsintervallen Nahrung aus den zahlreich vorhandenen B√§chen, Wiesengr√§ben, T√ľmpeln und auch Feuchtwiesen herbei, darunter Forellen, Groppen, Bachneunaugen, Krebse, M√§use, Fr√∂sche, Kaulquappen und Insekten.

Meist legt der Schwarzstorch im Odenwald seine Horste auf Kiefern und Buchen an, die nicht tief im Wald versteckt sein m√ľssen, sondern auch direkt an Wirtschaftwegen liegen k√∂nnen.

Die Nutzung des Lebensraumes unterliegt jedoch einer hohen Dynamik. So werden Bruthorste, bedingt durch forstliche Nutzung wie auch durch Störungen verschiedenster Art, meist nicht länger als 3 Jahre genutzt und 1 bis 3 Ausweichhorste angelegt.

Immer h√§ufiger kommt es zu F√§llen von Vergr√§mungen streng gesch√ľtzter Gro√üvogelarten, betonte Dirk Bernd, wie der Beschuss von Horsten, die F√§llung von Horstb√§umen oder gar T√∂tung der Tiere. Meist kommt dies im Zusammenhang mit der Errichtung von Windenergieanlagen vor.

Im Odenwald werden inzwischen gezielte Ma√ünahmen zum Schutz des Schwarzstorches durchgef√ľhrt. Bei Pflegearbeiten an Flie√ügew√§ssern finden die Bed√ľrfnisse des Schwarzstorches Ber√ľcksichtigung. Ebenso wird die Gefahr des Todes an Stromtrassen durch gezielte Ma√ünahmen vermindert.

Vor Windkraftanlagen zeigen Schwarzst√∂rche sowie auch der streng gesch√ľtzte Rotmilan, f√ľr den Deutschland mit einem Anteil des Weltbestandes von √ľber 50% eine gro√üe Verantwortung tr√§gt, kein Meideverhalten. Auf ihren Thermik- und Transferfl√ľgen zu den Nahrungshabitaten √ľber die H√∂henr√ľcken des Odenwaldes m√ľssen die V√∂gel h√§ufig gleich mehrere Windparks durchqueren.

Rotmilane werden sogar f√∂rmlich von den Anlagen angezogen. Sie nutzen die g√ľnstigen Thermikverh√§ltnisse entlang der bewaldeten H√∂henz√ľge und fliegen die Freifl√§chen um die Windenergieanlagen z.T. t√§glich mehrfach an, um sie als profitable Nahrungsquelle, wo sie Insekten, V√∂gel und Kleins√§uger finden, zu nutzen.

Der Odenwald stellt f√ľr den Rotmilan ein optimaler Lebensraum dar, welcher nach bisherigen Ergebnissen von MUNA e.V. eine Siedlungsdichte von 15 Paaren pro 100 km¬≤ aufweist. Sogenannte Quellpopulationen, wie es Dichtezentren mit √ľber 10 Brutpaaren pro 100 km¬≤ sind, sind essentiell f√ľr die Erhaltung des Rotmilans weltweit.

In vier Untersuchungsflächen von je 100km² konnten 86 Brutpaare des Rotmilans ermittelt werden. Die Siedlungsdichte des Rotmilans liegt im Odenwald bundesweit an der Spitze, kaum in einer anderen Region gibt es so viele Rotmilane wie bei uns, erläutert Angelika Emig-Brauch, von MUNA.

Die deutschlandweite Bestandsentwicklung des Rotmilans zeigt seit Beginn der 90er Jahre einen kontinuierlichen j√§hrlichen R√ľckgang von 1,8%. In einigen Fl√§chenbundesl√§ndern sank der Bestand analog zum Ausbau der Windenergie um √ľber 50%.

Bei Untersuchungen im Vogelschutzgebiet Vogelsberg konnte ein R√ľckgang des Schwarzstorchbestandes von √ľber 60% seit 2004 mit damals noch 30 Windenergieanlagen im Vergleich zu 2017 mit fast 300 Anlagen auf nur noch 5 Brutpaare verzeichnet werden.

F√ľr die Erhaltung der im Odenwald in hohen Siedlungsdichten vorkommenden Arten Schwarzstorch und Rotmilan ist ein Verzicht der Windenergienutzung als Hauptgef√§hrdungsursache unvermeidbar, so Bernd abschlie√üend.

In der Brosch√ľre ‚ÄěDer Schwarzstorch im Odenwald‚Äú sind die Untersuchungsergebnisse von 2016/17 zusammenfassend dargestellt. Die Brosch√ľre ist erh√§ltlich in der Buchhandlung ‚ÄěPaperback‚Äú in Bad K√∂nig, Bahnhofstra√üe 43 oder kann √ľber die Homepage des Vereins www.muna-ev.com bestellt werden.