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>Goldener Schwachwindbeutel< fĂŒr Brigitte Lindscheid und Dr. Marie-Luise Wolff

In der Kategorie Energie, Umwelt und Klimaschutz erhielten die PrĂ€sidentin des RegierungsprĂ€sidiums Darmstadt und die Vorstandsvorsitzende der ENTEGA AG Darmstadt in Abwesenheit den Preis von den BĂŒrgerinitiativen Siedelsbrunn und Ulfenbachtal

DARMSTADT / ODENWALD. - Eine nicht zu ĂŒbersehende, etwa 80-köpfige Delegation von OdenwĂ€lder BĂŒrgerinitiativen, gegen den Bau von Wind-Industrieanlagen, hat am Montag, 13. August, in Darmstadt, an zwei ausgewĂ€hlte Vertreterinnen, die in den Schaltstellen sitzen und wirken, wo es zumindest möglich oder denkbar wĂ€re, das Ruder herumzureißen und eine intelligente Kurskorrektur zu vollziehen, den Preis „Goldener Schwachwindbeutel 2018“ in Abwesenheit der EmpfĂ€ngerinnen Brigitte Lindscheid und Dr. Marie-Luise Wolff ĂŒberreicht.

Ausgestattet mit roten Luftballons, bedruckt mit WindkraftrĂ€dern und dem Aufdruck „Nein Danke“, Transparenten, die von WindradflĂŒgeln bedrohte Tierarten zeigen, Aufschriften wie „Nein zu Windparks im Unesco-Geopark Odenwald“ und ein „EEG-Umlage“-Banner, das zeigte, wie Kanzlerin Merkel dem deutschen Michel Geld aus der Tasche zieht, um es im Gegenzug Windkraft-Investoren auf abgeholzten WaldstĂŒcken in den Allerwertesten zu blasen, waren die Demonstranten nach Darmstadt gereist.

Laut Udo Bergfeld von der BĂŒrgerinitiative Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbachtal wollte man durch diese öffentlichkeitswirksame Preisverleihung einen Prozess des Nach- und des Überdenkens eigener Verfahrensweisen bewirken.

„Beide Damen wĂŒrdige PreistrĂ€gerinnen“

Vor dem RegierungsprĂ€sidium auf dem Luisenplatz angekommen, wurde zuerst einmal die Delegation sowie viele ZaungĂ€ste von Udo Bergfeld begrĂŒĂŸt, der dann die Grußworte von Matthias Wilkes und Horst Schnur, LandrĂ€te a.D. des Kreises Bergstrasse und des Odenwaldkreises, sowie Roger Simak aus dem Westerwald vortragen ließ.

Wilkes betonte dabei in seinem Grußwort, dass beide Damen diesen Preis in besonderer Weise verdient hĂ€tten und somit außerordentlich wĂŒrdige PreistrĂ€gerinnen dieser hohen Auszeichnung seien.

Brigitte Lindscheid habe ein verwaltungstechnisches KunststĂŒck hinbekommen, was es in der Geschichte des RegierungsprĂ€sidiums Darmstadt bisher nicht gegeben habe: „Sie hat erreichen können, dass am letzten Arbeitstag des Jahres 2016, in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr soviele Genehmigungen fĂŒr Industrieanlagen von ihrer Behörde herausgingen, wie dies noch nie der Fall war.“

Noch nie eine solche Kraftanstrengung

Bei allen anderen Unternehmen, oder dort wo BĂŒrger auf Bescheide warten, habe es solch eine Kraftanstrengung noch nie gegeben. Sicher völlig unbeabsichtigt, aber in tatsĂ€chlich letzter Sekunde habe Frau Lindscheid auch noch der Entega damit die Subventionen sichern können, die es bei einer Genehmigung einen Arbeitstag spĂ€ter in dieser Höhe nicht mehr gegeben hĂ€tte.

Sicher sei Frau Lindscheid bei dieser meisterlichen Verwaltungsleistung auch von der Motivation getrieben gewesen, dass diese Millionensubventionen nicht der Staat Jahr fĂŒr Jahr zu bezahlen hat, sondern dass dies neben Unternehmen vor allem der gemeine BĂŒrger mit seiner Stromrechnung bezahlen muss. „Und was zĂ€hlt dieser schon in einer Demokratie?“

„Flagge fĂŒr die Natur gezeigt“

Aber ganz besonders sei der umweltzerstörerische Eifer dieser GrĂŒnen-Politikerin auszeichnungswĂŒrdig: hunderte gesunde BĂ€ume fĂ€llen zu lassen, diese Macht ĂŒber die Natur habe sie bisher noch nie so hemmungslos austoben können.

„Naturschutz, seltene, geschĂŒtzte Tierarten
 mal so richtig im Wald aufrĂ€umen und diesen vielen Tieren ihren Lebensraum nehmen, so klar und deutlich hat selten eine GrĂŒnen-Politikerin Flagge fĂŒr die Natur gezeigt.“

Und auch fĂŒr jedes Fundament einer Windindustrieanlage 100 Betonmischmaschinen in den gesunden Waldboden kippen zu lassen, habe ihr offensichtlich richtig Freude bereitet. Besser mal eine Baugenehmigung in der Stadt versagen, denn Beton gehöre fĂŒr sie viel besser einfach mal in den Waldboden des Odenwaldes.

Nachhaltigkeit ganz neu definiert

Und genau so habe Dr. Marie-Luise Wolff diesen ganz besonderen Preis verdient, so weiter Wilkes' Grußwort, vorgetragen von Dr. Angelika Grimm-Eckardt. Wolff habe damit Nachhaltigkeit ganz neu definiert: „Wie komme ich sicher an Subventionen, egal ob dabei die Natur drauf geht!“

Diese visionÀre Kraft habe sich offensichtlich sogar bundesweit herumgesprochen, denn Dr. Wolff wurde jetzt sogar zur Bundesvorsitzenden der deutschen Energieunternehmen gewÀhlt.

Da könne es uns in Deutschland und insbesondere in den deutschen Mittelgebirgen nicht mehr bange werden. Aber sie stehe auch fĂŒr eine neue Symbolpolitik: „Zum ersten Mal standen rund um die Uhr mitten auf den Bergkuppen des StillfĂŒssels Security-MĂ€nner: nicht um die Natur zu schĂŒtzen, sondern damit engagierte Menschen nicht auf die Idee kommen können, sich zu sehr fĂŒr die Natur einzusetzen!“

„Ein schlichtweg einmaliges Projekt“

Der Odenwald sei damit zur Hochsicherheitszone geworden, mit unvergleichlich mehr Sicherheit, als es die Menschen heute an Bahnhöfen oder bei nĂ€chtlichen SpaziergĂ€ngen in einer Großstadt erfahren dĂŒrften.

„Ein schlichtweg einmaliges Projekt, das allerdings ein wenig auch zeig, wie gut die Subventionen schon sprudeln. Entega macht damit vor, wie man ohne besondere Anstrengungen und ohne unnĂŒtzen Wettbewerb sein Unternehmen wirtschaftlich fĂŒhren kann. Ein Beispiel auch fĂŒr alle anderen Unternehmen in Deutschland, in denen noch altertĂŒmlich von morgens bis abends gearbeitet wird.“

BI-Mitglieder unter kriminellen Generalverdacht gestellt

Besondere Schlagzeilen habe Wolff aber vor allem machen können, als sie Anfang diesen Jahres mit einem Neujahrsbrief an den ehemaligen BergstrĂ€sser Landrat klipp und klar zum Ausdruck gebracht habe, was sie von den Mitgliedern der BĂŒrgerinitiativen hĂ€lt: „Eine Zusammenrottung von Kriminellen, mit den man als guter BĂŒrger auf keinen Fall paktieren darf!“

Da Matthias Wilkes auf der darauf folgenden Donnerstagsdemo persönlich dabei war und als Redner das Wort ergriffen hat, gehöre er nach Wolff's Definition jetzt auch zu dieser Gruppe, die unter kriminellen Generalverdacht gestellt werde.

Dieser Landrat sei allerdings ja auch schon vielen anderen WĂŒrdentrĂ€gern innerhalb und außerhalb seiner Partei verdĂ€chtig gewesen. „Nur eine hat es einfach mal ausgesprochen und gewagt, die Sache auf den Punkt zu bringen: das war Marie-Luise Wolff!“

„Der Zutritt wurde uns BĂŒrgern verwehrt“

Sie stehe damit auch fĂŒr Zivilcourage und Mut, den es doch heute so selten in der Energiebranche gebe! Und auch der Appell von Matthias Wilkes, ihre Aussagen zu ĂŒberdenken habe sie in keiner Weise zu einem RĂŒckzug oder gar einer Entschuldigung fĂŒr ihre Entgleisung bringen können: schließlich sei man ja bei ENTEGA dabei, die Welt zu retten und da dĂŒrften KollateralschĂ€den auch mal drin sein, so Wilkes.

Im Anschluss der RedebeitrĂ€ge sollte dann um 15:15 Uhr –wie angemeldet - die PreisĂŒbergabe stattfinden. Doch die TĂŒr vom RegierungsprĂ€sidium blieb geschlossen. „Der Zutritt wurde uns BĂŒrgern verwehrt“, sagt Udo Bergfeld.

„Respektloses Verhalten“

RegierungsprĂ€sidentin Brigitte Lindscheid scheute die Negativ-PreisĂŒberreichung: „Man darf weder positive noch negative Preise annehmen“ - und habe sich hinter gesetzgeberischen Vorgaben versteckt, obwohl gegen den Windkraftindustriepark StillfĂŒssel das Hauptverfahren beim Verwaltungsgericht noch nicht mal eröffnet sei.

„Nach diesem uns gegenĂŒber respektlosem Verhalten fand Vera Krug, Sprecherin der BĂŒrgerinitiative Gegenwind Siedelsbrunn, passende Worte insbesondere in Richtung artenschutzrechtlicher Belange. Danach hat man sich entschlossen, den Preis mit Post/Paketdienst zustellen zu lassen.“

Haupteingang großrĂ€umig abgesperrt

Von hier aus zog der Delegationszug, mit einer zuvor genehmigten Versammlung unter freiem Himmel vom Luisenplatz zum Hauptsitz der ENTEGA AG in die Frankfurter Straße.

„Dort angekommen, fanden wir den Haupteingang großrĂ€umig mit Sperrband abgesperrt vor. Es erinnerte viele an die Baustellenabsperrungen auf den Baustellen am StillfĂŒssel. Nachdem Bergfeld auch hier alle begrĂŒĂŸte, ergriff Peter Geisinger, Vorsitzender des Vereins Vernunftkraft Odenwald e.V., das Wort.

Peter Geisinger ĂŒberzeugte mit Zahlen und Fakten

Er ĂŒberzeugte mit Zahlen und Fakten, die nicht nur die Teilnehmer mit viel Applaus unterstĂŒtzten, sondern auch die vielen Mitarbeiter des Unternehmens ENTEGA, die die ganze Zeit ĂŒber mit ihren Nasen und offenen MĂŒndern im Inneren des glĂ€sernen GebĂ€udes an deren Fensterscheiben hingen.

„Naturgesetze sind weder verhandelbar noch lassen sie sich politisch beschließen! Es verwundert dann auch niemanden, dass man in den verantwortlichen Etagen - hinsichtlich der uns in dieser absurden Form bloß aufgezwungen Energiewende - den dritten Schritt vor dem ersten unternimmt.

Dabei weiß noch jeder Lehrling, dass man eine Treppe von oben nach unten fegt, und eben nicht umgekehrt.“

Wertvolles Trinkwasser gefÀhrdet

Windindustrie schade nicht nur dem Ökosystem, sie verschandele ganz nebenbei auch „unsere einzigartige Kulturlandschaft“. Sie beeintrĂ€chtige Menschen und Tiere, aber auch die hydrologischen Gegebenheiten.

„Wie wertvoll unser Trinkwasser ist, das durften wir in den letzten Wochen nur zu deutlich erkennen. Bereits naturgegebene Bedingungen fĂŒhren mancherorts zu Trinkwassernotstand. Dort wurde den Menschen gerade in heftiger Weise vor Augen gefĂŒhrt, was passiert, wenn die HochbehĂ€lter leer sind. Von dem giftigen Chlor, das dem Ersatzwasser sodann - prophylaktisch oder nicht - beigemischt wird, gar nicht erst zu reden.“

Deutschland kann Energiewende deutlich besser

Selbst wenn man folgerichtig annehme, dass eine Energiewende erforderlich ist, so könne unser hochtechnisiertes Land die Umsetzung sicher deutlich besser.

„Was nutzt es, wenn wir 30.000 WindrĂ€der im Wald aufstellen, deren Werte der minimalen Produktion tageweise aber weiterhin bei nur >null Komma< liegt?“

Wem es nutze, das mĂŒsste doch hingegen jedermann klar sein! NĂ€mlich einigen ganz Wenigen, die sich mit dieser Ideologie die Taschen fĂŒllten, gleichzeitig in ihren Industrie-Unternehmen BetriebsrĂ€te unterdrĂŒcken, und sich dafĂŒr auch noch mit politischen Innovationspreisen ĂŒberschĂŒtten lassen wĂŒrden.

„Ein böses Sprichwort konstatiert, dass solche Preise und Orden wie HĂ€morrhoiden seien, irgendwann bekomme jeder welche. Nun, manchmal erliegt man wirklich dem Eindruck, als sei an dieser Aussage etwas Wahres dran.“

„WindrĂ€der nicht in der Lage, Haushalte grundlastsicher mit Energie zu versorgen!“

Die Aussage, dass 30 Prozent des Stroms inzwischen aus Erneuerbaren Energien stamme, klinge auf den ersten Blick fantastisch - aber eben nur auf den ersten Blick! Ebenso verlogen sei die Aussage, dass ein Windrad so-und-so viele Haushalte in der Lage sei, mit Strom zu versorgen.

„Tatsache ist aber, dass ein Windrad schlechthin nicht in der Lage ist, Haushalte grundlastsicher mit Energie zu versorgen! Es gehört zu dem, was Kinder schon in der Grundschule lernen, Null lĂ€sst sich nicht multiplizieren. FĂŒr all diese Fakten braucht es keine suspekten >Denkfabriken<. Es reicht dafĂŒr meist schon die Nutzung des eigenen Verstands.“

Stattdessen wĂŒrden wir mit juristisch so genannten Parteiengutachten - was so viel heiße, wie: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing! - und kriminellen „Baumklopfern“ konfrontiert, die dazu fĂŒhrten, dass das Himmelfahrtskommando „Windkraft im Wald“ immer weiter blindlings vorangetrieben werde, obgleich jedermann klar sei bzw. klar sein mĂŒsste, „dass wir ohne Speichersysteme auch mit 100.000 WindrĂ€dern unseren Bedarf niemals werden decken können“.

Preis soll alle windigen und zugleich ehrenwerte GeschÀftemacher zum Nachdenken bewegen

Nachdem weder Dr. Marie-Luise Wolf, noch eine Stellvertreterin oder ein Stellvertreter kam, um den Preis zu ĂŒbernehmen und die Teilnehmer auf Polizeianordnung nicht das Absperrband ĂŒberschreiten durften, „was niemanden mehr verwunderte“, wurde der Preis auf dem Parkplatz vor der Absperrband abgestellt.

Er solle stellverstretend fĂŒr alle windigen und zugleich ehrenwerten GeschĂ€ftemacher und Politiker fĂŒr eine frevelhafte und nachhaltige Natur- und Landschaftszerstörung im Odenwald und im gesamten Hessenland zum Nachdenken bewegen.

Der Delegationszug zog dann bis zum Messplatz, wo die Versammlung durch Udo Bergfeld aufgehoben wurde. Bergfeld bedanke sich bei allen Teilnehmen, wĂŒnschte eine gute Heimfahrt und lud zuvor noch alle Teilnehmer zur 56. Donnerstags-Demo nach Wald-Michelbach ein.