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„Spenden macht froh, ich bin froh“, sagte der Finanzier am „schönsten Moment“

FĂŒr ihren selbstlosen Einsatz fĂŒr das Gemeinwesen zeichnen Kreistagsvorsitzender RĂŒdiger Holschuh (links) und Landrat Frank Matiaske (rechts) das Stifter-Ehepaar Gisela und Dr. Walter WasserbĂ€ch mit der höchsten Auszeichnung des Odenwaldkreises, der Ehrenplakette in Gold, aus.

Den Ehrenbrief des Landes Hessen erhielten Dr. Hans Leinberger (2. von links), Barbara Prystanowski (3. von rechts) und Dr. Erika Ober (2. von rechts) von Hessens Gesundheitsminister Stefan GrĂŒttner (rechts), dem Landtagsabgeordneten und Kreistagsvorsitzenden RĂŒdiger Holschuh (links) und Landrat Frank Matiaske (3. von links).

PopCHORn Michelstadt-Steinbach umrahmte die Eröffnungsfeier mit dem Lied >You Raise me up<.

Das Rotary-Hospiz in Erbach nimmt ab Montag, 2. Juli, Patienten auf.

SchlĂŒsselĂŒbergabe an die Vorsitzende der Hospiz-Initiative, Dr. Erika Ober (2. von rechts) durch Rolf Kohlhage, amtierender Rotary-PrĂ€sident Erbach-Michelstadt, Prof. Fritz Steiger, Barbara Prystanowski und Prof. Bernhard Kogel (von links nach rechts).

Blumen fĂŒr die ehrenamtliche Leiterin des stationĂ€ren Rotary-Hospiz in Erbach, Barbara Prystanowski.

Der großzĂŒgige Finanzier des neuen Rotary-Hospiz in Erbach, Dr. Walter WasserbĂ€ch, am Eingang der bestens gelungenen „Herberge fĂŒr die letzte Etappe des Lebens“. Fotos: er

Ein gelungenes Gemeinschaftswerk mit Modellcharakter: Rotary-Hospiz in Erbach feierlich eröffnet

ODENWALDKREIS / ERBACH. - „Ich betrachte mich als Kutscher, der gelobt wird, wenn die Pferde die Kutsche ins Ziel gebracht haben. Eigentlich bin ich ja nur der Pfadfinder, der Anstifter dazu.“ So bedankte sich Dr. Walter WasserbĂ€ch (Beerfelden) in der ihm eigenen bescheidenen Art fĂŒr das umfangreiche Lob fĂŒr sein finanzielles Engagement zur Errichtung des Rotary-Hospiz in Erbach.

„Es ist ein besonderes GefĂŒhl, anstatt ins Eigentum, in ein Projekt wie ein Domizil fĂŒr BedĂŒrftige zu investieren. Spenden macht froh, ich bin froh“, sagte ein sichtlich bewegter Dr. WasserbĂ€ch, der das knapp drei Millionen teure Projekt des am Freitag, 22. Juni, eingeweihten Rotary-Hospiz in der OdenwĂ€lder Kreisstadt bis zur betriebsfertigen Übergabe und sogar darĂŒber hinaus finanziert hat.

Dank sage der Finanzier auch seiner Frau Gisela, die ihm die wichtigsten Impulse fĂŒr diese Entscheidung gegeben habe. „Denk nicht so viel darĂŒber nach, mach einfach“, habe sie ihm geraten.

Dass dieser Rat und dessen Umsetzung nach zwei Jahren Bauzeit ein Guter war, steht außer Frage, wie bei der Einweihung des stationĂ€ren Rotary-Hospiz in Erbach nachhaltig unter Beweis gestellt werden konnte.

Mehr als 250 geladene GĂ€ste, unter ihnen auch Hessens Gesundheitsminister Stefan GrĂŒttner, konnten sich von dem bestens gelungenen Bauwerk ebenso ĂŒberzeugen, wie zahlreiche Besucher am Wochenende bei einem Tag der offenen TĂŒr.

Außergewöhnlicher Einsatz zahlreicher Personen

Das Besondere an dem Projekt erklÀrt sich aus seiner Vorgeschichte, seiner Umsetzung, was auch die Namensgebung erklÀrt, und den daraus entstandenen persönlichen Beziehungen.

Ohne den außergewöhnlichen Einsatz einzelner Personen hĂ€tte es diesen Tag nicht gegeben und der lang gehegte Wunsch, auch im Odenwaldkreis schwer erkrankten Menschen auf ihrem letzten Weg einen wĂŒrdevollen Rahmen und eine professionelle Begleitung bieten zu können, wĂ€re nicht in ErfĂŒllung gegangen.

RechtskrÀftige palliative Versorgung noch nicht in der Gesundheitsversorgung angekommen

Nicht ohne Grund erinnerte Landrat Frank Matiaske in seiner Grußbotschaft daran, dass die palliative Versorgung erkrankter Menschen Rechtskraft erlangt hat. In der Praxis hat dieses noch vergleichsweise junge Thema allerdings noch keinen Platz in der garantierten Gesundheitsversorgung eingenommen.

Wo und wie der Hospiz-Gedanke in die Tat umgesetzt wird, ist vielerorts Sache von engagierten BĂŒrgern, die sich – meist aus einem beruflichen Kontext heraus oder einer persönlichen Betroffenheit – Mitstreiter, VerbĂŒndete und Geldgeber suchen.

Mit Barbara Prystanowski, bis vor kurzem Leiterin des Altenwohnheims am Gesundheitszentrum, und Dr. Walter WasserbĂ€ch haben zwei ÜberzeugungstĂ€ter auf ihrem Gebiet Gefallen an einer Idee gefunden, die zu einem außergewöhnlichen Ergebnis gefĂŒhrt hat.

„Einmaliger Vorgang in Deutschland“

Past-Governor Klaus Willimczik vom Rotary-Distrikt 1860 ordnete in seinem Redebeitrag das Rotary-Hospiz seiner GrĂ¶ĂŸe wegen als einen nahezu einmaligen Vorgang des Service-Clubs in Deutschland ein.

Den Weg frei gemacht fĂŒr die Verwirklichung hat insbesondere Dr. Walter WasserbĂ€ch, der fĂŒr die Errichtung des GebĂ€udes und dessen Ausstattung drei Millionen Euro zur VerfĂŒgung gestellt hat.

Wie das rotarische Ehrenmitglied selbst ausgefĂŒhrt hat, sind Dank der Leistungen des beauftragten Architekten Prof. Bernhard Kogel (Karlsruhe), Finanzchef JĂŒrgen MĂŒhlhĂ€user (Michelstadt) und der ĂŒberwiegend aus der Region beteiligten Handwerksbetriebe sogar ein sechsstelliger Betrag ĂŒbrig geblieben, der als Anschub in die laufende BetriebsfĂŒhrung einfließen wird.

„Einer der schönsten Momente meines Lebens“

Dr. Walter WasserbĂ€ch selbst bezeichnete diesen Moment als einen der schönsten seines Lebens. Der fĂŒr seine Mitmenschlichkeit und BodenstĂ€ndigkeit geschĂ€tzte Mann und frĂŒhere Unternehmer erhielt stehenden Applaus.

„Das Projekt passt exakt zum Rotary-Jahresmotto „Rotary serving humanity“, spannte der amtierende SitzungsprĂ€sident des Rotary-Clubs Erbach-Michelstadt, Rolf Kohlhage, den Bogen zu der 2015 aufgegriffenen Initiative zum Bau eines Hospizes.

Anlass war damals ein Vortrag der örtlichen Hospiz-Initiative im Club ĂŒber die im Odenwald ungenĂŒgenden Möglichkeiten einer fachgerechten Betreuung von Patienten am Ende ihrer Palliativ-Versorgung.

OdenwÀlder Bevölkerung profitiert nachhaltig

Besonders beeindruckt darĂŒber war der EhrenprĂ€sident des Clubs, Dr. Walter WasserbĂ€ch, der sich spontan bereit erklĂ€rte, den Bau eines zweckdienlichen GebĂ€udes samt kompletter Ausstattung zu stiften. Voraussetzung war fĂŒr ihn, dass der Club geschlossen hinter dem Projekt steht und jeder die erforderliche Mitwirkung zur BauausfĂŒhrung versprach.

Dies war mehr als der Grundstein, sondern der Anfang eines einmaligen Werks, von dem die Bevölkerung im Odenwaldkreis nachhaltig profitieren wird, dankte Dr. Erika Ober fĂŒr die Hospiz-Initiative Odenwald in ihrer BegrĂŒĂŸungsrede allen Beteiligten.

Zum finanziellen Gelingen haben auch die Stiftung der Sparkasse Odenwaldkreis und die Silber-Bonz-Stiftung beigetragen. „Krankheit und Tod sind Teil des Lebens“, weshalb es eine Frage der Mitmenschlichkeit sei, niemanden damit alleine zu lassen.

Beeindruckt von außergewöhnlichem Projekt

Unter den GĂ€sten weilten neben Staatsminister Stefan GrĂŒttner Bundesabgeordneter Dr. Jens Zimmermann sowie Landtagsabgeordneter und Kreistagsvorsitzender RĂŒdiger Holschuh, BĂŒrgermeister und MandatstrĂ€ger aus mehreren OdenwĂ€lder StĂ€dten und Gemeinden, FĂŒhrungskrĂ€fte des Gesundheitszentrums und Vertreter der Stiftungen.

Minister GrĂŒttner zeigte sich besonders beeindruckt von dem starken ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl und der Zielstrebigkeit, gemeinsam ein außergewöhnliches Projekt Schritt fĂŒr Schritt konsequent bis zur Inbetriebnahme anzupacken und umzusetzen.

„Herberge fĂŒr die letzte Etappe des Lebens“

Rolf Kohlhage, amtierender SitzungsprĂ€sident, beschrieb das hervorragende Ergebnis zutreffend mit den Worten: „Das Hospiz-GebĂ€ude erweckt durch seine stilvolle AtmosphĂ€re nicht den Eindruck einer Klinik, sondern ist vielmehr eine Herberge, in die sich Menschen aller NationalitĂ€ten, Weltanschauungen und Religionen begeben können, um hier die letzte Etappe ihres Lebens zu verbringen, und um sich mit den engsten Angehörigen bei gemeinsamen Erinnerungen in Liebe zu verabschieden.“

Maßgeblich mit persönlichem Einsatz aus den Reihen des Rotary Clubs Erbach-Michelstadt an der Umsetzung mitgewirkt haben RC-Stiftungsvorsitzender Prof. Friedrich Steiger (Beratung und Begleitung aus bautechnischer Sicht) und JĂŒrgen MĂŒhlhĂ€user (Beratung und Begleitung in finanziellen Angelegenheiten).

Die symbolische SchlĂŒsselĂŒbergabe nahmen Dr. Erika Ober und RC-SitzungsprĂ€sident Rolf Kohlhage gemeinsam mit dem Architekten Prof. Bernhard Kogel vor. Musikalisch begleitet wurde die Feier von PopCHORn Michelstadt-Steinbach mit dem Lied "You Raise me up".

Ehrung fĂŒr Dr. Walter WasserbĂ€ch und die Hospiz-Initiative

Dr. Walter WasserbĂ€ch hat bereits lange vor der maßgeblichen Finanzierung des Rotary-HOPIZ in seinem Heimatort Beerfelden und im Odenwald Projekte angestoßen und mit Geldspenden verwirklichen helfen.

FĂŒr seinen selbstlosen Einsatz fĂŒr das Gemeinwesen verliehen bei der Eröffnungsfeier Landrat Frank Matiaske und Kreistagsvorsitzender RĂŒdiger Holschuh Dr. Walter WasserbĂ€ch die Ehrenplakette des Odenwaldkreises in Gold. Die höchste Auszeichnung wurde zuvor erst an vier Personen vergeben, unterstrich RĂŒdiger Holschuh den Stellenwert der WĂŒrdigung.

Mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen aus den HĂ€nden von Staatsminister Stefan GrĂŒttner und Landrat Frank Matiaske ausgezeichnet wurden die Initiatoren und Aktiven des Hospizvereins Barbara Prystanowski, Dr. Erika Ober und Dr. Hans Leinberger.

Zur Hospiz-Initiative Odenwald

Die Hospiz-Initiative Odenwald wurde 2007 durch die damalige Leiterin des Altenwohnheims, Barbara Prystanowski ins Leben gerufen. In einem ersten Ausbildungskurs wurden etwa ein Dutzend Ehrenamtliche nach dem Celler Modell zu Hospizhelfern ausgebildet.

2008 wurde aus der losen Initiative ein eingetragener Verein. Es folgten zwei weitere Ausbildungskurse, aus denen schließlich eine Gruppe von etwa 30 Ehrenamtlichen wurde, die sich der ambulanten Hospizarbeit widmete.

Ein stationĂ€res Hospiz wurde zwar stets als wĂŒnschenswerte Einrichtung fĂŒr den Odenwald angesehen. Voraussetzung fĂŒr die Umsetzung war stets eine kostendeckende Finanzierung der zu schaffenden Einrichtung.

Auf fruchtbaren Boden gefallen war die Idee bei einem der vielen VortrĂ€ge zum Thema, der schließlich auch beim Rotary-Club Erbach-Michelstadt gehalten wurde.

Zu Planung, Bau und Vollendung des Rotary-HOSPIZ

FĂŒr die Planung konnte das ArchitektenbĂŒro von Prof. Bernhard Kogel (Karlsruhe) gewonnen werden. Im Herbst 2015 wurde der symbolische Erste Spatenstich auf dem vom Odenwaldkreis zur VerfĂŒgung gestellten GrundstĂŒck vollzogen.

Im FrĂŒhsommer 2016 begannen die Erdarbeiten. 2017 wurde der Bau hochgezogen, das Dach errichtet und das Richtfest gefeiert. In der ersten HĂ€lfte 2018 erfolgten der Innenausbau, die Außenarbeiten und die Möblierung.

Am 2. Juli 2018 werden die ersten Patienten einziehen. Sechs Voranmeldungen liegen vor. FĂŒr den Betrieb hat der Hospizverein die HOSPIZ-Odenwald gemeinnĂŒtzige Betriebsgesellschaft mbH gegrĂŒndet. Sie beschĂ€ftigt Pflege- und HauswirtschaftskrĂ€fte. Die Pflegedienstleitung liegt in den HĂ€nden von Barbara Prystanowski.

Zum GebÀude selbst

Das ebenerdige Haus verfĂŒgt ĂŒber eine GrundflĂ€che von 710 qm. Acht Patientenzimmer von jeweils 28 qm GrundflĂ€che mit exklusiver Ausstattung (inkl. 6 qm behindertengerechtes Badezimmer) sowie nach SĂŒden ausgerichteten Terrassen stehen zur VerfĂŒgung.

Ihre deckenhohe Verglasung erlaubt einen Blick auf idyllische unverbaubare Natur. Über die gesamte SĂŒdfront erstreckt sich eine lange Terrasse.

Neben den Verwaltungs- und VersorgungsrĂ€umlichkeiten, einem Gesellschaftsraum und Übernachtungsmöglichkeiten fĂŒr Angehörige bietet der „Raum der Stille“ Familien und Freunden die Möglichkeit zur Ruhe und Einkehr.

Ein Brunnen und großzĂŒgig angelegte GrĂŒnflĂ€chen sorgen im Außenbereich fĂŒr eine harmonische AtmosphĂ€re. Die EingangstĂŒren tragen das in Alu-Guss geprĂ€gte Rotary-Zahnrad als Symbol fĂŒr die Stifter.