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Wechsel ins Ehrenamt

Pfarrerin Elke Burkholz ist seit Anfang des Monats im Ruhestand und wird am 28. April verabschiedet. Foto: Pressedienst Evangelisches Dekanat Vorderer Odenwald

Die Messeler Pfarrerin Elke Burkholz ist seit Anfang des Monats im Ruhestand und wird am 28. April verabschiedet

ODENWALD. - Die Gemeinde Messel liegt am äußeren nordwestlichen Zipfel des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald und ist weithin bekannt durch das Unesco-Weltkulturerbe Grube Messel, in dem einst das berühmte Urpferdchen gefunden wurde.

Die LandstraĂźe dorthin fĂĽhrt von Eppertshausen aus durch den frĂĽhjahrsgrĂĽnen Wald. Darmstadt ist um die Ecke, ebenso der Flughafen Frankfurt.

Das Pfarrerehepaar Elke und Albrecht Burkholz schätzen es, hier zu leben. „Kultur, Natur – alles nah“, sagt Elke Burkholz.

Seit 30 Jahren sind die beiden gemeinsam in der evangelischen Kirchengemeinde Messel tätig und haben sich die Pfarrstelle geteilt. Seit 1. April ist Elke Burkholz im Ruhestand, ihr Mann hat ihren Stellenanteil übernommen.

Den Vorsitz des Kirchenvorstandes hat die 66-Jährige abgegeben, aus der Dekanatssynode hat sie sich zurückgezogen. Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Sie arbeitet weiter in der Kirchengemeinde mit – nun im Ehrenamt – und schaut nach und nach, was sie nicht mehr machen will.

„Das ist der Vorteil der Ehrenamtlichkeit“, sagt sie. Mehr Selbstbestimmung auf der einen Seite, Macht- und Bedeutungsverlust auf der anderen Seite: An die neue Rolle muss Elke Burkholz sich erst einmal gewöhnen.

Schon als Vierjährige liebte sie Gottesdienste

Gebürtig kommt sie aus Assenheim in der Wetterau und ist in Köppern, einem Ortsteil von Friedrichsdorf im Taunus, aufgewachsen. Nach dem Abitur in Bad Homburg hat sie in Frankfurt und Tübingen Theologie studiert. Sie und Albrecht Burkholz haben sich im Studium in Tübingen kennengelernt.

Danach war Elke Burkholz dabei, über ein feministisches Projekt zu promovieren, entschied sich dann aber doch für das Gemeindepfarramt. Während ihres Vikariats in Frankfurt kam Tochter Rebekka zur Welt.

Elke Burkholz setzte die praktische Ausbildung dann in Seligenstadt fort, wo auch Albrecht Burkholz sein Vikariat machte und dann nach Kleestadt kam, während Elke Burkholz in Erziehungszeit mit den mittlerweile zwei Töchtern war. Tochter Rahel (34) ist ebenfalls Pfarrerin, in Kirtorf im Vogelsberg.

Messel ist die zweite Stelle des Pfarrerehepaars, zuvor waren sie in Schönborn-Klingelbach im Dekanat Nassauer Land. „Wir wollten uns eine Pfarrstelle teilen, das hat geklappt“, sagt Elke Burkholz.

Die kirchenfernen Eltern waren von ihrer Berufswahl nicht sehr angetan. Wie sie zur Theologie kam, hat mehrere Gründe: Ein Vikar warb sie in der Grundschule, damals „ein kleines, dünnes, verschüchtertes Mädchen“, so Elke Burkholz, für das Krippenspiel.

Auf dem Gymnasium war sie von zwei Religionslehrerinnen beeindruckt. Sie hatte eine katholische Freundin, mit deren Familie sie gerne in Gottesdienste ging. Auch die Großeltern väterlicherseits nahmen sie mit in Gottesdienste. Schon als Drei- oder Vierjährige liebte sie die Musik, die Atmosphäre, die Ruhe und dass sie sich an die Großeltern kuscheln konnte.

Faible fĂĽr Kurse

Die Liebe zu den Gottesdiensten ist geblieben, ebenso die Freude an der Konfirmandenarbeit, den Kindersonntagen und an Kursangeboten, zuletzt ging es um „Krisen in der Kirchengeschichte“.

„Das relativiert das Chaos von heute“, sagt Elke Burkholz. Es ist kein Geheimnis, dass das Ehepaar Burkholz nicht einverstanden ist mit dem Strukturprozess „ekhn2030“, der infolge von weniger Mitgliedern und Geld eine Neuorganisation der kirchlichen Zusammenarbeit vorsieht.

Aktuell bildet Elke Burkholz zusammen mit dem Reinheimer Pfarrer Dr. Felipe Blanco WiĂźmann Lektorinnen und Lektoren aus, also Ehrenamtliche in der VerkĂĽndigung, wie es in einer Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald heiĂźt.

In Messel gebe es „wahnwitziges ehrenamtliches Engagement“, sagt Elke Burkholz, „das hat mich immer begeistert“. Das Spektrum an spirituellen Orientierungen sei sehr breit, von einer konservativen Kirchlichkeit bis hin zu einer großen liberalen Offenheit.

Sie seien hier angetreten, „um die Menschen in ihrer Sprachfähigkeit im Glauben zu unterstützen“. Das sei gelungen. Die Konfirmandenarbeit hat das Pfarrerehepaar in seiner Zeit in Messel verändert – weg von wöchentlichen Treffen hin zu Konfi-Samstagen mit Projekten und kreativeren Methoden.

Sie haben einen großen Kirchenvorstand mit zwölf Mitgliedern und einer Jugenddelegierten, was daran liegt, das Albrecht Burkholz viele Menschen in der Gemeinde angesprochen hat.

Die Öffentlichkeitsarbeit hätten sie „massiv ausgebaut“, so die Pfarrerin im Ruhestand, den Gemeindebrief „Brücke“ gab es vorher nicht, immer montags wird ein Newsletter versandt, die Kirchengemeinde ist auf Social Media präsent. Was macht der Glaube für sie aus? „Glaube bedeutet für mich Sinn, Hoffnung und Geborgenheit.“

Der Gottesdienst zur Entpflichtung von Pfarrerin Elke Burkholz und EinfĂĽhrung von Pfarrer Albrecht Burkholz in die ganze Stelle ist am Sonntag, 28. April, 17 Uhr, in der evangelischen Kirche Messel.

Mitwirkende: Propst Stephan Arras und Dekan Joachim Meyer, der Instrumentalkreis des Musikvereins Harmonie, GlĂĽckauf Grube Messel und Konfiband beim anschlieĂźenden Empfang im Gemeindehaus.

Wer am Empfang teilnehmen und/oder ein Grußwort möchte, wird um Anmeldung im Gemeindebüro gebeten, Telefon 06159/298, E-Mail: kirchengemeinde.messel(at)ekhn.de.