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Jockels PlĂ€doyer fĂŒr die Ampel

Die Berliner Regierungsbank, wie sie unsere Zeichnerin Jeanne Kloepfer im PlĂ€doyer fĂŒr die Ampel sieht.

Heute betrachtet Jakob Ihrig aus der Raubach posthum in seinem Satire-Beitrag die aktuelle Berliner Regierungsbank

Es gibt Dinge im Leben, fĂŒr die wohl kaum jemand irgendeine Form von Nutzen erkennen kann. Im Gegenteil, jeder ist froh, wenn er nur davon verschont bleibt.

Zur exemplarischen Veranschaulichung werden hierfĂŒr bisweilen in der modernen Fachliteratur zur Verhaltensökonomie Beispiele wie Fußpilz, Haarausfall oder HĂ€morrhoiden genannt.

Ähnlich ist es mit der Politik der Ampel. Man denke nur an Dinge wie die Ökosozialistische Transformation, die Energiewende, den Klimaneutralwahn, der CO2 Ablasshandel oder die Krönung schlechthin: das schwachsinnige Heizungsgesetz.

Alles Dinge, die allen nur schaden aber keinerlei Nutzen stiften. Hinzu kommt, dass die Protagonisten der sogenannten Ampelparteien im Berliner Kompetenzzentrum an und fĂŒr sich schon kaum den Eindruck erwecken, die Sache noch irgendwie im Griff zu haben.

Man schaue sich nur einmal die Regierungsbank an. Der Eine stiert wie ein kleines Kind trÀumend in die Luft, weil er scheinbar wieder alles vergessen hat. Der NÀchste hat immer noch nicht kapiert, wie das mit dem Rasierer funktioniert und Àrgert sich, weil die dÀmlichen WÀhler das mit den Segnungen der CO2 Steuer nicht verstehen wollen.

Der Kollege daneben dattelt auf dem Handy herum und freut sich, weil er wiederum endlich verstanden hat, wie der Taschenrechner funktioniert. Dann die Dame vom Völkerrecht. Zu ihr ist eigentlich alles schon gesagt, genau wie zu dem mit der pandemistischen Seuche.

Es ist daher nachvollziehbar, dass fĂŒr die meisten im Lande das Wort Ampel eine Art rotes Tuch, ja sogar der Inbegriff von Inkompetenz und UnfĂ€higkeit geworden ist. Diese Kasper mĂŒssten am besten schnell weg und Neuwahlen brĂ€uchte es jetzt gleich.

Aus sprachphilosophisch-semantischer Sicht ist diese Entwicklung ĂŒbrigens nichts Ungewöhnliches. Substantive erleiden im Laufe der Zeit oft eine Bedeutungsverschlechterung. Verbesserungen sind die absolute Ausnahme, genau wie bei roten Regierungen.

Dass es jetzt ausgerechnet die (Verkehrs-)Ampel getroffen hat, ist unfair. Die erste Ampel wurde in London in den spÀten 1860iger Jahren in Betrieb genommen.

Damals regelte sie noch den Verkehr fĂŒr Pferdefuhrwerke. Sie war noch gasbetrieben und konnte nur Rot und GrĂŒn. Das war schon damals Scheiße und weil sie zudem öfters explodierte, wurde sie auch bald schon wieder abgeschafft.

Die erste elektrische Ampel gab es 1919 in Detroit mit Beginn der Massenmobilisierung. Man merkte schnell, dass noch eine Farbe als Zwischenpuffer notwendig war. Da gelbe Birnchen billig waren und im Betrieb keine besonderen Anforderungen stellten, war dieser Puffer schnell gefunden.

Da war es dann auch egal, dass diese nicht gerade die hellsten Leuchten waren. Nach dem ersten Weltkrieg trat die Ampel dann ihren Siegeszug um die Welt an. Man stelle sich vor, eine Kreuzung mĂŒsste 24/7 mit einem Polizisten besetzt sein, der den Verkehr regelt.

Dann mĂŒssten wahrscheinlich zwanzig oder mehr Polizisten pro Ampel abgestellt werden. Die Ampel ist eine geniale Erfindung, ohne die die moderne Stadt und die Urbanisierung der Welt ĂŒberhaupt nicht denkbar wĂ€re.

Und der Siegeszug geht immer weiter: Auch wenn die Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es heute schon erste brauchbare Konzepte, Ampelanlagen mit Hilfe von kĂŒnstlicher Intelligenz bedarfsgerecht zu steuern und dadurch den Verkehrsfluss extrem zu stabilisieren und zu beschleunigen.

Es gibt also keinen Grund, eine Ampel per se zu verteufeln! Im Gegenteil: Die Ampel ist ein Paradebeispiel fĂŒr bestĂ€ndige technische Innovation und Fortschritt. Sie ist vielleicht der Inbegriff der zivilisatorischen Entwicklung der Menschheit schlechthin.

Vielleicht sollte man dem Erfinder der (Verkehrs-) Ampel posthum noch einen Orden verleihen; den Klimaneutraltölpeln natĂŒrlich nicht.

Bei uns im Odenwald kam die Verampelung der B45 in den 1960iger Jahren so richtig in Schwung. Damals war das Wort Ampel noch weitgehend positiv konnotiert und nicht wie heutzutage massiv politisch kontaminiert.

Der sprachlich gebildete OdenwĂ€lder wußte jedoch schon damals ĂŒber die Abstammung des Wortes vom lateinischen „Ampulla“ (die Flasche), was ja heute punktgenau passt. Damals war die Parteienlandschaft im Odenwald allerdings noch anders strukturiert.

Alles war rot – die Schullehrer sogar zu 120%, die FDP noch liberal (kann sich heute niemand mehr vorstellen). Die Anderen gab es Gott sei Dank noch nicht und der Klimawahn war noch lange nicht erfunden.

Also eine (Verkehrs-) Ampel ist gut, aber genau wie beim Paprikaschnitzel ungarischer Art sollte man auch hier unbedingt eine diskriminierungsfreie Benennung verwenden.

Ich schlage deshalb entsprechend §37 Satz 2 StVO ausnahmslos das Wort Wechsellichtzeichenanlage vor. Dann verwechselt auch keiner mehr das Gute mit dem Schlechten.