NEWS

Zwischen Deutschland und Brasilien

Maria (3. von links) war auch zu Gast im Religionsunterricht der achten Klasse bei Schulleiter Bernd Siefert (Mitte). Manches ĂŒber Marias Heimatland Brasilien erfuhren die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler Rico Meinel, Elisa Onodje, Luca Novakovic und Samuel Onodje sowie stellvertretender Schulleiter Marcel Fischer (von links). Foto: Pressedienst Oberzent-Schule

Janis vor dem Stadion in Salvador (Brasilien). Foto: Christina MĂŒller

ERBACH / SALVADOR (BRASILIEN). - „Ich bin immer wieder begeistert von der Geschichte, die in jedem GebĂ€ude hier steckt“, sagt die 17-jĂ€hrige Maria Teresa aus Sorocabe in Brasilien.

Maria ist seit gut drei Monaten und fĂŒr insgesamt elf Monate zu Gast beim Rotary Club Erbach-Michelstadt und aktuell bei der Familie von Christina MĂŒller, die zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Kindern in Mudau lebt.

Hierhergekommen ist die SchĂŒlerin im Rahmen eines Jugendaustausches des weltweit agierenden Rotary Clubs. Christina MĂŒller ist Mitglied des regionalen Clubs Erbach-Michelstadt – vor zwei Jahren war sie auch dessen PrĂ€sidentin – und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin eines Erbacher Autohauses.

Im SpĂ€tsommer hat Maria in Osterburken mit dem Schuljahr begonnen und lernt vor allem Deutsch. Außerdem ist sie immer mal wieder in Deutschland und Europa unterwegs.

Sie hoffe, dass ihre Reise durch das Land „voller glĂŒcklicher Abenteuer ist und dass ich Bindungen zu Menschen aufbaue, die ich fĂŒr immer bei mir tragen werde“, berichtet die 17-JĂ€hrige.

Sie sei jetzt schon sehr dankbar fĂŒr alles und jeden, „der mich hier in diesem unglaublichen Land willkommen geheißen hat“.

Der Abschied von Brasilien freilich sei ihr nicht leichtgefallen, gibt Maria unumwunden zu. „Das GefĂŒhl, alle, die ich liebe, zurĂŒckzulassen, ist bedrĂŒckend.“ Aber die junge Frau sieht es als „Wachstumschance“.

„Ich freue mich ĂŒber die Gelegenheit, auch etwas ĂŒber Brasilien zu lernen und mit den Augen eines jungen Menschen aus SĂŒdamerika ganz anders auf das vermeintlich Vertraute zu schauen“, sagt Bernd Siefert, der PrĂ€sident des gastgebenden Rotary Clubs Erbach-Michelstadt.

Siefert hat Maria schon gleich nach deren Ankunft im August durch Erbach und Michelstadt begleitet, um ihr manches von ihrer neuen Heimat auf Zeit zu zeigen. Auch in der Oberzent-Schule in Beerfelden, die Siefert leitet, war die Brasilianerin schon zu Gast.

Im Religionsunterricht in der achten Klasse beantwortete sie die interessierten Fragen der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu ihrem persönlichen Blick auf ihr Heimat- wie auch auf ihr Gastland.

Sozusagen im Gegenzug ist Janis, der 17-jĂ€hrige Sohn und eines von drei Kindern Christina MĂŒllers, bis Ende Juni in Salvador im Osten Brasiliens, direkt am Meer gelegen. Janis kam dort ebenfalls im August an – in Brasilien Winterzeit.

„Schon gleich am Flughafen spĂŒrte ich das erste Mal, wie heiß es im Nordosten von Brasilien im Winter ist“, berichtet Janis, und immerhin kam er ja aus dem sommerlichen Deutschland. In Salvador lebt der junge Mann mitten in einer Millionenstadt, was fĂŒr ihn auch etwas neues ist.

Aber natĂŒrlich sieht er auch einiges von Land und Leuten: „Die Landschaft ist wunderschön und die Menschen sind sehr nett und offen“, freut er sich. „Ich habe auch schnell, trotz der sprachlichen Schwierigkeiten, Freunde gefunden.“

Fußball zum Beispiel verbindet, auch ĂŒber manche SprachhĂŒrde hinweg, die es derzeit noch gibt. Mit dem Verstehen gehe es ganz gut, sagt Janis; Portugiesisch zu sprechen, sei hingegen noch etwas schwierig. Aber alles in allem: „Momentan geht es mir gut, ich bin sehr glĂŒcklich hier“.

Ein Jugendaustausch wie der zwischen Janis und Maria hat eine lange Tradition beim Rotary Club – ist doch der Gedanke der InternationalitĂ€t und der weltweiten Verbundenheit und SolidaritĂ€t diesem Serviceclub besonders wichtig.

„Ich freue mich sehr, dass mein Jahresmotto als PrĂ€sident unseres Clubs auf Maria und Janis wortwörtlich zutrifft: ‚Rotary bewegt!‘“, sagt Bernd Siefert.