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Liebvolle Hommage an den Odenwald im Film umgesetzt

Filmemacher Werner Lebert hat eine Dokumentation gedreht und ist dabei ganz nah bei Mensch, Tier und Wald

ODENWALD / MOSSAUTAL. - Werner Lebert hat viel zu erzählen. Der 62-Jährige ist Fotograf und Filmemacher – beziehungsweise ist dazu geworden, nachdem ihn 2009 auf dem Rennrad ein Autofahrer angefahren und schwer verletzt hat.

In der Reha-Klinik begann sein langer Weg zurück ins Leben, als er sich von einem Mitpatienten eine Kamera auslieh und einfach loslegte. „Das war gottgegeben“, erinnert sich der Obernburger, der seinen Lebensunterhalt vor dem Unfall als Werkzeugmacher und CNC-Fräser beim namhaften Unternehmen Reis Robotics bestritt.

14 Jahre später hat sich Lebert mit seinen visuellen Medien längst einen Namen gemacht, bereits zwei Dokumentarfilme gedreht, Bücher veröffentlicht und mehrere Publikumspreise für seine Arbeit erhalten.

Nun hat der Obernburger eine liebvolle Hommage an den Odenwald umgesetzt, der nicht nur im Programmkino im unterfränkischen Erlenbach, sondern auch am Samstag, 28. Oktober, ab 18 Uhr in der Mossautalhalle gezeigt wird: „Himmelheber“.

Im Mittelpunkt des Films stehen fünf Protagonisten: Ein alter Analogfotograf, Rinderzüchter Heinz aus dem Bad Königer Stadtteil Etzen-Gesäß, Kunstschmied Alois aus Wörth am Main, der Schafhirte Bodo aus dem Finkenbachtal – und der Wald.

Diese begleitet der Filmemacher bei ihrem Alltag, zeichnet bildgewaltig das Leben auf dem Land nach, das ihn so fasziniert. „Auf die Idee für den Film kam ich, als ich mit meinem Rennrad bei Würzberg am Römerbad unterwegs war“, meint Lebert. „Das war dann ganz spontan.“

Als Kameramann konnte der 62-Jährige auch den prämierten Felix Striegel gewinnen, der bereits für den Studenten-Oscar nominiert und wegen Corona glücklicherweise verfügbar war, obwohl er zu der Zeit in Jordanien hätte sein sollen.

Heraus kam eine Dokumentation über 90 Minuten, die den Odenwald „nicht verklären, sondern den Reiz und die Besonderheit lebendig halten soll“.

Dass der Zuschauer dabei oft sehr still, sehr nachdenklich werden wird, war nicht erklärte Absicht, diese fast meditative Ausstrahlung gehört aber zu den tiefen Eindrücken, die der Film gerade in einer Zeit der Hektik und des „Immer Mehr“ hinterlässt, untrennbar dazu, erklärt Lebert. Das „Mehr“ wollte Lebert in Bilder fassen.

So hat er etwa bei den Schafen im Stall übernachtet und die Kleidung nicht gewechselt, damit sich die Tiere an ihn und seinen Geruch gewöhnen und er ganz besondere Aufnahmen machen kann.

Sehr persönlich sind auch die Szenen, in denen Kameramann Striegel den gerade erst operierten Bauern Heinz im Badezimmer zeigt. Erst durch das immense Vertrauen zum Team gelingen außergewöhnliche Aufnahmen wie diese.

Die Arbeit von Werner Lebert zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er das Vertrauen seiner Protagonisten gewinnt und dadurch ganz besondere Szenen einfangen kann. Das erfordert Zeit, Geduld und Empathie, erzählt er.

Besonders bemerkenswert sind das Fotoprojekt ĂĽber die StraĂźenkinder von Kitale in Kenia oder die Filmdokumentation ĂĽber Hochseefischer, die er mehrere Tage in der Nordsee begleitete. Die Passion fĂĽr seine Projekte ĂĽbertrug er nun auch auf den Odenwald.

Finanziert habe er den neuesten Film „Himmelheber“ bewusst nicht über Fördergelder, auch, weil er damals einfach schnell habe anfangen wollen – sondern über das sogenannte Crowdfunding, eine Art der Finanzierung, deren Kapitalgeber eine Vielzahl von Personen einschließt. Dabei spenden Unterstützer Beträge für ein Projekt, mit dem sie sympathisieren.

In der Summe können damit etwa auch Filme produziert werden. „Das ermöglicht Unabhängigkeit. Die gibt es nicht, wenn die Finanzierung nur durch eine staatliche Filmförderung mit engen Vorgaben oder durch Eingriffe potenzieller Sponsoren in das künstlerische Konzept erfolgt.“

Viele Firmen aus dem Odenwald haben das Projekt unterstützt, sagt der Filmemacher dankbar. Drei Jahre habe die Produktion des Films in Anspruch genommen, „und jede Minute habe ich genossen“, meint Lebert.

Nun sei er gespannt, wie der Film in Erlenbach und Mossautal bei den Odenwäldern ankommt. Danach soll „Himmelheber“ etwa auch in Darmstadt, Speyer und in Erbach in den Kinos laufen.