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DGB Bensheim entsetzt: Kindinger-Grab abgerÀumt

Die Reste des Kindinger-Grabs auf dem Bensheimer Friedhof.

BENSHEIM. - Der Stadt ging es wohl nicht schnell genug. Kurz nach Jahreswechsel wurde der Grabstein der Familien Kindinger-Hunger abgerĂ€umt. „Der DGB Bensheim ist entsetzt ĂŒber das Vorgehen, da weder ein klarer Magistratsbeschluss vorliegt noch eine Mitteilung ĂŒber den Verbleib des Steines. Was zurĂŒck bleibt ist eine hĂ€ssliche LĂŒcke“, so GĂŒnter Löffler vom DGB-Ortsverband Bensheim. „Das Grab steht somit auch einem Antifaschistischen Stadtrundgang nicht mehr zur VerfĂŒgung.“

Geht man denn so mit dem Andenken eines Mannes um, der von Anfang an gegen den Terror der Nationalsozialisten in Bensheim gekÀmpft hat? Mit dieser Hau-Ruck-Methode haben die Verantwortlichen der Stadt Fakten geschaffen, die nicht umkehrbar sind.

Die sterblichen Überreste des einstigen NS-WiderstandskĂ€mpfers und Opfer des Nationalsozialismus werden samt seinen Familienangehörigen platt gemacht.

Der DGB Bensheim weiß von langjĂ€hrigen WeggefĂ€hrten Kindingers, von der Kreisorganisation der DKP Darmstadt, vom Verein der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) Landesverband Hessen, die alle bei BĂŒrgermeister Richter mit der Bitte um Erhalt des Grabes vorstellig geworden sind.

Wie und wo sollen die Leistungen des ehemaligen Angestellten der Stadt Bensheim gewĂŒrdigt werden? Wer „verirrt“ sich denn in das Stadtviertel, das das kurze Straßenschild mit seinem Namen trĂ€gt?

Die Bensheimer GewerkschafterInnen bestehen auf Transparenz in Sachen Jakob Kindinger. Wann soll ein eindeutiger Magistratsbeschluss gefasst, wann und wo soll der Familiengrabstein aufgestellt werden? 1938 sperrten Nationalsozialisten Jakob Kindinger ins KZ Buchenwald. 2018 sitzen Rechtsradikale im Deutschen Bundestag, zum 80. Mal jÀhren sich die ReichspogromnÀchte.

Anlass, an Opfer und WiderstandskĂ€mpfer zu erinnern. Warum das Familiengrab des Menschenretters Jakob Kindinger nicht bleiben durfte, ist schleierhaft. FĂŒr ihn bleiben eine kurze Straße und ein Gedenkstein außerhalb des Zentrums, beides von Gewerkschaftskollegen durchgesetzt.