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Demenz und Straßenverkehr: Wann man das Auto besser stehen lässt

Kl√§rten √ľber Demenz und die Folgen f√ľr Erkrankte auf: Der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf (3. von rechts) mit Christina Arnold von der Fachstelle ‚ÄěLeben im Alter‚Äú des Kreises Bergstra√üe, Polizeihauptkommissar Ralf Drexelius vom Polizeipr√§sidium S√ľdhessen, dem B√ľrgermeister von Biblis, Volker Scheib, die psychosoziale Fachkraft auf dem Land des Kreises Bergstra√üe (PauLa) Michaela Weber, Nadja Niestroj vom Pr√§ventionsteam des Kreises und die Vorsitzende des Kreis-Seniorenbeirates Susanne Hagen (von rechts).

Die Informationsveranstaltung zum Thema ‚ÄěDemenz und Stra√üenverkehr‚Äú mit dem Polizeihauptkommissar Ralf Drexelius als Referenten (auf dem Bild vor der B√ľhne) im B√ľrgerzentrum in Biblis war gut besucht. Fotos: Pressedienst Bergstra√üe

Informationsveranstaltung beim Seniorennachmittag in Biblis kl√§rte √ľber Folgen einer dementiellen Erkrankung auf / Pr√ľfung der Fahrtauglichkeit bei T√úV oder ADAC m√∂glich

BERGSTRASSE / HEPPENHEIM. - Autofahren ist auch f√ľr viele √§ltere Menschen ein Ausdruck von Selbst√§ndigkeit und Unabh√§ngigkeit. Mit dem Fortschreiten einer Demenz-Erkrankung oder der Zunahme anderer altersbedingter Ver√§nderungen l√§sst allerdings die Fahrtauglichkeit nach.

Um nicht zu einer Gef√§hrdung f√ľr sich und andere Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu werden, muss das Auto dann stehen gelassen werden.

√úber die m√∂glichen Folgen einer Demenz-Erkrankung auf die Fahrtauglichkeit und √ľber die Erkrankung an sich kl√§rte eine gut besuchte Informationsveranstaltung beim Senioren-Nachmittag in Biblis auf.

Diese fand im Rahmen des ‚ÄěDemenzquartals Bergstra√üe‚Äú statt, das der Kreis Bergstra√üe in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern organisiert.

‚ÄěPr√§vention ist nicht nur beim Thema Gesundheit, sondern auch beim Stra√üenverkehr sehr wichtig. Denn hier hat man nicht nur eine Verantwortung f√ľr sich selbst, sondern auch f√ľr die anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Deshalb m√∂chten wir als Kreis gemeinsam mit unseren Referenten Betroffenen und ihren Angeh√∂rigen Orientierung bieten, worauf sie achten m√ľssen und welche Ma√ünahmen sie ergreifen m√ľssen‚Äú, sagte der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf, der bei dem Termin Landrat Christian Engelhardt vertrat.

In der Regel bedeutet die Diagnose Demenz nicht, dass der oder die Betroffene das Auto sofort stehen lassen muss. Doch mit dem Fortschreiten der Krankheit nimmt die Fahrtauglichkeit immer weiter ab. Wie schnell das geht, kann unter anderem von der Form der Demenz abhängen.

Ab wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man nicht mehr fahren sollte? ‚ÄěEine pauschale Antwort darauf, wann man mit Demenz nicht mehr fahren kann, gibt es nicht‚Äú, betonte Polizeihauptkommissar Ralf Drexelius von der Verkehrspr√§vention des Polizeipr√§sidiums S√ľdhessen.

Dazu sei der Verlauf der Krankheit individuell zu verschieden. Drexelius nannte aber Merkmale, die auf eine Fahruntauglichkeit hinweisen:

- sehr schnelles oder sehr langsames Fahren

- wiederholtes √úbersehen von Verkehrszeichen

- Missachten von Verkehrsregeln

- falsches Betätigen der Pedale

- Verfahren auf bekannten Strecken

- unsicheres Fahren auf unbekannten Strecken

- Unsicherheit beim R√ľckw√§rtsfahren

- vermehrt in Situationen zu geraten, die zu Unf√§llen f√ľhren k√∂nnen

Wer diese Merkmale bei sich selbst oder bei einem Angeh√∂rigen erkennt, sollte m√∂glichst bald die Fahrtauglichkeit der entsprechenden Person pr√ľfen lassen. Hierzu ist ein Gespr√§ch mit einem Arzt oder einer √Ąrztin der betroffenen Person ratsam.

Die Pr√ľfung der Fahrtauglichkeit ist auch beim T√úV oder beim ADAC m√∂glich. Angeh√∂rige und rechtliche Betreuerinnen und Betreuer haben hierbei eine F√ľrsorgepflicht. H√§ufig m√ľssen sie die Entscheidung √ľber einen Verzicht auf das Autofahren treffen und entsprechende Ma√ünahmen ergreifen.

Auch die behandelnden √Ąrztinnen oder √Ąrzte m√ľssen den Patienten bei der Diagnose Demenz dar√ľber informieren, dass bei einem Fortschreiten der Krankheit eine Fahruntauglichkeit vorliegen wird. Sie unterliegen dabei allerdings der Schweigepflicht und k√∂nnen Angeh√∂rige nur informieren, wenn sie vom Patienten von dieser entbunden werden.

Doch es gibt eine Ausnahme: Schaffen es Angeh√∂rige, rechtliche Betreuer oder Betreuerinnen oder die behandelnden √Ąrzte nicht, die betroffene Person trotz schwerwiegender Bedenken davon zu √ľberzeugen, das Auto stehen zu lassen, kann die √Ąrztin oder der Arzt die Schweigepflicht brechen und die Stra√üenverkehrsbeh√∂rde informieren.

Voraussetzung ist, dass eine G√ľterabw√§gung stattgefunden hat, ob durch die Teilnahme des Patienten am Stra√üenverkehr h√∂here Rechtsg√ľter ‚Äď etwa die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen ‚Äď gef√§hrdet sind.

Die Stra√üenverkehrsbeh√∂rde kann bei einem entsprechenden Hinweis dann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) anordnen. An deren Ende kann die Feststellung der Fahruntauglichkeit, die mit Abgabe des F√ľhrerscheins verbunden ist, stehen.

‚ÄěGrunds√§tzlich sollte sich jeder Autofahrer unabh√§ngig von einer Demenz vor Fahrtantritt die Frage stellen, ob er momentan in der richtigen Verfassung ist, um sicher am Stra√üenverkehr teilzunehmen.

Wenn man diese Frage nicht zu 100 Prozent mit Ja beantworten kann, sollte man aus Verantwortung f√ľr sich, seine Mitfahrer und andere Verkehrsteilnehmer auf diese Fahrt verzichten und nach Alternativen suchen‚Äú, sagt Drexelius.

Weiterhin empfiehlt der Polizeihauptkommissar Tests der Seh- und Reaktionsf√§higkeit oder Sicherheitstrainings als gute Mechanismen zur Selbst√ľberpr√ľfung.

√úber die Krankheit Demenz im Generellen informierte Christina Arnold von der Fachstelle ‚ÄěLeben im Alter‚Äú des Kreises Bergstra√üe. Sie verdeutlichte, dass es wichtig sei, eine √§rztliche Diagnose einzuholen, auch wenn die Erkrankung selbst nicht heilbar sei.

Mit der Gewissheit, dass es sich um Demenz handelt, k√∂nne Vorsorge getroffen und Beratung eingeholt werden. Zudem entfalten Medikamente die gr√∂√ütm√∂gliche Wirkung, wenn sie fr√ľhzeitig eingesetzt werden. Symptome, bei denen man zum Arzt gehen sollte, sind unter anderem:

- häufiges Wiederholen derselben Frage oder Geschichten

- Probleme, sich zu orientieren, vor allem in fremder Umgebung

- Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen wie Telefonieren oder Tisch decken

- Verlegen von Gegenst√§nden an ungew√∂hnliche Orte wie etwa der Fernbedienung in den K√ľhlschrank

- Verkehrtes Anziehen der Kleidung

- Zunehmend ausweichendes Antworten auf Fragen oder Abwiegeln bei Nicht-Wissen

Dabei stellte Arnold klar, dass es bei Demenz zwar keine Heilung, aber Therapiemöglichkeiten gebe. Durch diese können etwa Stimmung oder Orientierung der Patienten verbessert werden, Unruhe vermindert oder Alltagsfähigkeit und Selbstständigkeit länger erhalten werden.

Das ‚ÄěDemenzquartal Bergstra√üe‚Äú wird am 27.03. mit einer Abschlussveranstaltung von elf bis 13 Uhr im Kronepark in Bensheim-Auerbach beendet. Auch hier wird es noch einmal einen Vortrag zum Thema ‚ÄěDemenz und Stra√üenverkehr‚Äú geben.