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Dekanat will den GrĂŒnen Hahn

Auftaktveranstaltung zur Fairtrade-Town Groß-Umstadt und ...

... zum Fairtrade-Kreis Darmstadt-Dieburg. Fotos: Silke Rummel

Dekanatssitz in Groß-Umstadt macht sich auf den Weg zu mehr Umwelt- und Klimafreundlichkeit

ODENWALD. - Vor dem DarmstĂ€dter Schloss steht ein Fahrrad, mit dem sich Energie erzeugen lĂ€sst. Ist genĂŒgend Strom erstrampelt, leuchtet die angeschlossene GlĂŒhbirne. Emanuela Schmunk,

SekretÀrin im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald und begeisterte Radfahrerin, bringt die Birne gleich mehrfach zum Leuchten.

Auf dem Tisch daneben stehen vertraute Flaschen: WeichspĂŒler, Duschgel, Haarspray, Kosmetik. Eine Ratespiel: Was davon enthĂ€lt Mikroplastik, das in die Meere gelangt und was nicht?

Beides gehört zur SichtBar, einem quietschgrĂŒnen AnhĂ€nger, dem neuen mobilen Projekt der Evangelischen Jugend im Dekanat Vorderer Odenwald. Die hat nĂ€mlich auch Lernstationen an Bord, zum Beispiel fĂŒr nachhaltiges Leben. Das passt.

Denn an diesem Vormittag gibt das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald mit der Auftaktveranstaltung fĂŒr den „GrĂŒnen Hahn“ den Startschuss fĂŒr mehr Umweltfreundlichkeit, heißt es in einer Mitteilung des Dekanats.

GrĂŒner Hahn nimmt Energieverbrauch in den Blick

Der „GrĂŒne Hahn“ ist ein Zertifizierungsverfahren, mit dem die Umweltauswirkungen in einer Kirchengemeinde oder kirchlichen Einrichtung erfasst, bewertet und reduziert werden. Das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung (ZGV) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) begleitet diesen Prozess.

Durch gemeinsam festgelegte Ziele, verbunden mit klaren ZustĂ€ndigkeiten, werden stetige Verbesserungen erreicht, etwa beim Verbrauch von Energie und Wasser, bei den Außenanlagen oder beim Einkauf. DafĂŒr wird die Einrichtung mit dem Zertifikat „GrĂŒner Hahn“ ausgezeichnet.

Seit elf Jahren hat das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald seinen Sitz im DarmstĂ€dter Schloss in Groß-Umstadt. „Von Beginn an steht die Bewahrung der Schöpfung im Dekanat nahezu an erster Stelle“, sagte PrĂ€ses Dr. Michael Vollmer.

Die erste Klimamesse der EKHN habe es vor zehn Jahren wenige Meter vom DarmstĂ€dter Schloss entfernt in der Stadthalle stattgefunden. Zudem habe das Dekanat 100.000 Euro fĂŒr mehr Klimafreundlichkeit in den Gemeinden bereitgestellt.

„Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir das, was wir tun auch messbar machen.“ In ihrer Andacht zu Beginn der Veranstaltung hatte Annette Claar-Kreh, Referentin fĂŒr Gesellschaftliche Verantwortung es mit dem Satz des Apostel Paulus auf den Punkt gebracht: „PrĂŒfet alles und das Gute behaltet.“

Hahn als Weckruf fĂŒr den Prozess

Dass die Umweltzertifizierung „GrĂŒner Hahn“ heißt, findet Dekan Joachim Meyer passend: In seiner Nachbarschaft gebe es einen HĂŒhnerstall, der Hahn sei nicht zu ĂŒberhören und der goldene Hahn auf der Stadtkirche Groß-Umstadt nicht zu ĂŒbersehen.

„Es braucht regelmĂ€ĂŸige Weckrufe fĂŒr diesen Prozess.“ In dem Begriff „nachhaltig“ stecke der Halt und die Haltung, so Meyer weiter.

An der Auftaktveranstaltung nahmen mit Marcella LĂŒdicke vom Landkreis Darmstadt-Dieburg und Hanna Rudolf von der Stadt Groß-Umstadt Vertreterinnen teil, die derzeit dabei sind, zur Fairtrade-Town und zum Fairtrade-Kreis zu werden, außerdem Carlos Perreira, EigentĂŒmer des DarmstĂ€dter Schlosses und Vermieter, Annika Held von der Evangelischen Jugend, Petra Jaegermann und Karina Blitz vom UmstĂ€dter Weltladen, Heike Kopp aus dem Dekanatssynodalvorstand (DSV) und die stellvertretende Dekanin Evelyn Bachler sowie weitere Dekanatsmitarbeitende.

Die Auftaktveranstaltung ist ein Schritt zur Zertifizierung, den Clemens Fricke als Umweltauditor oder auch „Buchhalter des Verfahrens“, wie er sich selbst bezeichnet, seitens des ZGV begleitet.

Dem vorangegangen waren der Beschluss des DSV, dem Leitungsgremium des Dekanats, diesen Weg zu beschreiten, und eine umfassende Bestandsaufnahme, bei der Papier gezĂ€hlt wurde, der Wasser- und Heizungsverbrauch, Putzmittel und Einkaufsverhalten dokumentiert wurde. Nun folgen Umweltprogramm und -management, dann ein Umweltbericht und schließlich die Zertifizierung.

An Dienstfahrten seien 20.000 Kilometer im Jahr 2019 zusammengekommen, sagte Annette Claar-Kreh, 2020 seien es infolge von Corona nur 9000 Kilometer gewesen.

Auch das fließe in den Umweltbericht mit ein. Bei der Zertifizierung verfahren sie zweigleisig, sagte Clemens Fricke – die EMAS-Zertifizierung werde angestrebt, so nennt sich das Umweltzertifizierungsverfahren fĂŒr Organisationen und Betriebe, und der GrĂŒne Hahn, der noch weitergehe, da er berĂŒcksichtige, wo in Bildungsarbeit und VerkĂŒndigung der Schöpfungsgedanke einfließe.

Sie seien nicht alleine, sagte Annette Claar-Kreh mit Blick auf die Fairtrade-Bewerbung von Stadt und Kreis. „Mögen wir uns gegenseitig infizieren.“ Dann wurde das ökofaire BĂŒffet eröffnet.