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Bensheimer Feuerwehren rĂŒsten sich fĂŒr die Zukunft

Sirenenanlagen schon lange auf dem Radar + + + Neue Sirenen in Planungen

BENSHEIM. - Die Bensheimer Feuerwehren scheuen nicht den Blick in die Zukunft, im Gegenteil: „Wir wollen das Undenkbare denken, Wissen aufbauen und entsprechend handeln“, umreißt Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn das Leitmotiv des neuen Bedarfs- und Entwicklungsplans fĂŒr die Jahre 2021 bis 2026, den die Ehrenamtlichen der Bensheimer Feuerwehren in den vergangenen Monaten mit großem Fleiß und enormer Akribie aufgestellt haben.

Herausgekommen ist ein 300 Seiten starkes Werk, das aus einer Ist-Analyse und einem Blick in die Zukunft besteht, der aufzeigt, welche Themen aus Sicht der Feuerwehren vorausschauend angegangen werden mĂŒssen.

Die Ă€ußeren Einflussfaktoren liegen auf dem Tisch: Die Bevölkerungszahlen sind steigend, und es sind mehr GewerbeflĂ€chen im Vergleich zum turnusgemĂ€ĂŸ vor fĂŒnf Jahren letztmalig aufgestellten Plan vorhanden.

Der Blick zurĂŒck weist einen sehr positiven Trend auf: Die Zahl der EinsatzkrĂ€fte konnte deutlich gesteigert werden, was Jens-Peter Karn auf die vielfĂ€ltigen Werbemaßnahmen der vergangenen Jahre zurĂŒckfĂŒhrt.

Bei den Jugendfeuerwehren will und muss man verstĂ€rkt auf Werbung fĂŒr setzen, um fĂŒr die Zukunft gerĂŒstet zu sein. In diesem Bereich ist ein RĂŒckgang zu verzeichnen.

Auch die einzelnen GebĂ€ude – zehn an der Zahl – wurden detailliert unter die Lupe genommen. Hier besteht an fĂŒnf Standorten mittelfristig Handlungsbedarf, also in den nĂ€chsten fĂŒnf bis zehn Jahren.

Zum Beispiel in Auerbach: Der aktuelle Standort ist nicht erweiterbar und somit auf Sicht nicht mehr geeignet. Die Vorgaben des technischen PrĂŒfdienstes stellen die Bensheimer Wehren zusĂ€tzlich vor große Herausforderungen.

Dieser schaut zum Beispiel genau auf die Beschaffenheit der StellplĂ€tze fĂŒr die Einsatzfahrzeuge. Hier werden schĂ€rfere Normen gefordert, die – bei NichterfĂŒllung – negative Auswirkungen auf LandeszuschĂŒsse haben können.

Beim Blick auf die Hauptamtlichen steigt der Personalbedarf, da zahlreiche Neuregelungen die anfallende Arbeit deutlich erhöhen. So sind zum Beispiel aufwĂ€ndige PrĂŒfungen des Materials wie Atemschutzmasken Pflicht, die in einem kĂŒrzeren Turnus durchgefĂŒhrt werden mĂŒssen.

Die stetige Zunahme gesetzlicher Auflagen tut hier ein Übriges. Auch die Rekrutierung fĂŒr Nachwuchs bei den Jugendfeuerwehren soll kĂŒnftig von einem Hauptamtlichen ĂŒbernommen werden.

Was den Fuhrpark anbelangt, stehen einige Neubeschaffungen an. In Summe sollen aber zwei Großfahrzeuge wegfallen. Karn betont: „Lange wurden Neubeschaffungen so lange es geht heraus gezögert.“ Da aber die Beschaffung von Ersatzteilen mit den Jahren bei manchen Einsatzfahrzeugen kaum mehr möglich sei, mĂŒsse nun gehandelt werden.

Beim Thema „kritische Infrastruktur“ sieht Karn Bensheim schon gut aufgestellt. Die Sirenenanlagen stehen hier ganz besonders im Fokus, nicht erst seit dem verheerenden Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Schon Karns VorgÀnger Willi Plaschke hat sich immer gegen den Abbau der 27 Sirenenanlagen im Stadtgebiet gestemmt, heute blicken manche Kommunen neidisch nach Bensheim, weil diese Infrastruktur hier noch vorhanden ist. Viele Kommunen haben ihre Anlagen in den vergangenen Jahren abgebaut.

Da das Thema in Bensheim schon lĂ€nger auf dem Radar ist, sind kurz- und mittelfristig sogar Neuerungen geplant. Denn es ist bekannt, dass hier weiter aufgerĂŒstet werden muss, sowohl numerisch, als auch von der technischen Ausstattung her.

Entsprechende Planungen sind schon auf dem Weg. So soll eine digitale Ansteuerung der Sirenen installiert werden, außerdem ist eine Umstellung auf elektronische Sirenen geplant.

„Wir mĂŒssen die Bevölkerung in Notsituationen warnen können, daher ist das Thema so elementar wichtig“, so Karn, der ergĂ€nzt: „Wir mĂŒssen stĂ€ndig dran bleiben an dieser Thematik und auch unbequeme Entwicklungen, Stichwort Pandemie und Klimawandel, mit all den Folgeerscheinungen im Blick behalten.“

Bevölkerungsschutz ist von ĂŒberragender Bedeutung und umfasst mehr als Fahrzeuge, sagt Jens-Peter Karn im Hinblick darauf, dass auch die entsprechend gut ausgebildeten EinsatzkrĂ€fte zur VerfĂŒgung stehen mĂŒssen.

„Die Erarbeitung dieses Plans hat eine herausragende Bedeutung und ist ungemein wertvoll, erlaubt er doch einen fundierten Blick in die Zukunft und bewahrt uns bei dem so wichtigen Thema Bevölkerungsschutz vor bösen Überraschungen“, dankte BĂŒrgermeisterin Christine Klein allen, die daran mitgewirkt haben.

„Die Bensheimerinnen und Bensheimer können sich auf ihre Feuerwehren verlassen“, ergĂ€nzt sie. Gerade was das Thema „Warnung der Bevölkerung in Notsituationen“ betrifft, sei dieses umsichtige und vorausschauende Handeln nicht hoch genug einzuschĂ€tzen.

Der Bedarfs- und Entwicklungsplan wurde von Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn, seinem Stellvertreter Thomas StrĂ¶ĂŸinger, einem Arbeitskreis – bestehend aus Mitgliedern der Feuerwehren der Stadt Bensheim – sowie dem stĂ€dtischen Team SteuerungsunterstĂŒtzung erstellt.

Die Gremien beraten den Plan in der jetzigen Sitzungsrunde. Wird dieser positiv beschieden, lautet der Auftrag an die Verwaltung, die Punkte nach und nach anzugehen und umzusetzen.