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Großer Hilfstransport rollte von Bensheim ins Katastrophengebiet

Familien spenden ganze Kleinbusse voller Waren.

Emsiges Packen in der Lilientalstraße in Bensheim.

Bensheimer Helfer in der Not fĂŒr Menschen in den NachbarlĂ€ndern.

Großer Jubel: das erste voll bepackte Fahrzeug verlĂ€sst den Platz in Bensheim.

So viel noch ĂŒbrig, wer soll das transportieren? Doch es fand sich rasch ...

... prominente UnterstĂŒtzung mit „The Real Life Guys“, die das Problem lösten.

Entladung in Bad Breisig: Bensheimer Hilfe kommt im Verteilzentrum an.

Das gut bestĂŒckte Verteilzentrum Bad Breisig. Fotos: Sara MĂŒller

Bensheimer Christen danken zahlreichen Firmen und Helfern fĂŒr eine „tolle Spontanhilfe“, die mithalf großes Leid zu lindern

BENSHEIM / BAD BREISIG. - Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen. Hilfe war angesagt. Und die kam auch aus dem hessischen Bensheim.

Hier fanden zahlreiche Helfer zu Beginn der vergangenen Woche krĂ€ftige UnterstĂŒtzung bei Firmen wie DM, OBI, Kellgas (alle in Bensheim) oder der Stadthaus-Apotheke Lorsch, um nur einige der Hilfswilligen zu nennen.

Am Mittwoch-Vormittag wurde abschließend noch einmal RĂŒcksprache mit der Einsatzleiterin in Bad Breisig gehalten. „Können wir noch irgendetwas Konkretes sammeln?“, fragte die Koordinatorin fĂŒr die Sammlung am Telefon.

„Sie können wĂŒnschen was Sie benötigen, wir versuchen es dann zu liefern“, schlug sie vor. „Ihr Angebot ist fĂŒr die Menschen hier wie Weihnachten“, antwortete Marion Götte vom zustĂ€ndigen Amt in Bad Breisig.

39 Campingkocher und Hunderte von Gaskartuschen gingen nach Bad Breisig

„Wir haben noch ganze StraßenzĂŒge, die von der Gasversorgung komplett abgeschnitten sind. Wenn Sie Campingkocher und vor allem Gaskartuschen liefern könnten, wĂ€re das fĂŒr uns das AllergrĂ¶ĂŸte.“

Dank einer Presseveröffentlichung, die am gleichen Morgen mit einer Handynummer fĂŒr die Aktion Werbung machte, konnte der Bedarf an Gaskochern noch großrĂ€umig kommuniziert werden, sodass schließlich am spĂ€ten Nachmittag das erste Transportfahrzeug mit 39 Campingkochern und Hunderten von Gaskartuschen den Hof Richtung Bad Breisig verließ.

Obwohl der Obi-Baumarkt in Bensheim die Regale schon aus Eigeninitiative fĂŒr die Fluthilfe gerĂ€umt hatte, wurde auch von diesem Unternehmen noch eine großzĂŒgige Spende an Gaskochern gewĂ€hrt.

Zudem gab die Firma Kellgas fĂŒr weitere Kartuschen sehr entgegenkommenden Rabatt, um den Kochern auch eine lange Brenndauer zu gewĂ€hren.

Insbesondere die Gaskocher und Kartuschen wurden dann im Verteilerzentrum in Bad Breisig mit großer Freude aufgenommen. Sofort verließen die ersten Brenner die Halle, um direkt zu den Menschen in Not gebracht zu werden.

Gemeinde Bad Breisig organisierte eine provisorische Versorgung

Organisiert wurden die Hilfsmaßnahmen zuvor von der freien evangelische Gemeinschaft Bergstraße in Bensheim. Diese hatte Kontakt ins Katastrophengebiet nach Bad Breisig hergestellt.

Die Gemeinde Bad Breisig hatte eine provisorische Versorgung in die am schlimmsten betroffenen Gebiete der Umgebung gestartet, da die Hilfe von Bund und LÀndern zunÀchst Anlaufzeit benötigte.

Zu diesem Zweck baten sie um Sachspenden und nannten zunĂ€chst vor allem Wasser, Babynahrung, Windeln sowie Hygieneartikel als primĂ€re Notwendigkeit, da es vordergrĂŒndig darum ging, das Überleben der Menschen zu sichern.

Eile war angesagt: Werbung zunĂ€chst ĂŒber Verteiler der Kirchengemeinden

Eile war angesagt und so wurde die Aktion zunĂ€chst ĂŒber die Verteiler der Kirchengemeinden bekannt gemacht und verbreitete sich rasend schnell auf den sozialen KanĂ€len.

Auch grĂ¶ĂŸere Einrichtungen, GeschĂ€fte, Praxen und sogar der Landrat warben fĂŒr die Aktion. Obwohl nur sehr kurzfristig – exakt ein Tag vorher – Werbung gemacht werden konnte, fand ein eifriges, freiwilliges Helferteam zusammen.

Die Basis der Aktiven und möglichen Helfer und Spender wurde insoweit noch verbreitert, als das Netzwerk „Christen an der Bergstraße“ eingebunden wurde.

Über dieses Netzwerk, welches sich aus sechs freien evangelischen Gemeinden an der Bergstraße zusammensetzt, startete am Montag der vergangenen Woche die Sammelaktion. An zwei Tagen konnten die konkret aufgelisteten Sachspenden von 13 bis 16 Uhr bei der Sammelstelle in Bensheim abgegeben werden.

Hohe Spendenbereitschaft der Bevölkerung

An beiden Tagen gab es hohen Zulauf. Viele Fahrzeuge fuhren an der Ladestation vor, es wurde die Anlieferung unglaublich vieler Waren in großen Mengen abgewickelt, die den großzĂŒgigen Gemeindesaal der Freien evangelischen Gemeinschaft in der Lilientalstraße fĂŒllten.

Manche Familien hatten ihren kleinen Familientransporter bis unter das Dach beladen, andere Menschen fuhren mit ihrem Fahrrad viele Kilometer, um rechtzeitig eine Sachspende abliefern zu können.

Viele Menschen schoben den Abgabetermin zwischen ihre Arbeitszeiten oder opferten ihre Freizeit und ihr Budget, um die Aktion zu unterstĂŒtzen. Eine Physiopraxis brachte sogar ein Fahrzeug voller Waren, die sie mit ihren Kunden gesammelt hatten. Manche Leute blieben spontan zum Helfen, weil sie den Bedarf erkannten.

Zahlreiche Firmen unterstĂŒtzten die Hilfsaktion

Mehrere Bensheimer Firmen unterstĂŒtzten die Aktion in vorbildlicher Art und Weise. Am Drogeriemarkt DM in Bensheim durfte sogar mit Flyern geworben werden. Kundinnen und Kunden konnten Waren von der Liste einkaufen und sie in die bereitgestellten Einkaufswagen legen.

Auch eine LagerflĂ€che fĂŒr grĂ¶ĂŸere Mengen wurde zur VerfĂŒgung gestellt und das Mitarbeiterteam schob abschließend manche Wagen voller EinkĂ€ufe persönlich zum Verladen vor den AnhĂ€nger. Innerhalb von vier Stunden kamen so Sachspenden zusammen, die einen mittleren AutoanhĂ€nger mit Plane befĂŒllten. 

Flexibles Helferteam

Die Stadthaus-Apotheke in Lorsch erfuhr bei einem grĂ¶ĂŸeren dreistelligen Betrag an der Kasse, der fĂŒr Medikamente entstanden war, von der Aktion und spendete spontan die gesamte Lieferung.

Das Helferteam in Bensheim war indessen sehr flexibel aufgestellt. Spender wurden begrĂŒĂŸt und registriert, Waren wurden angenommen und nach Themen sortiert.

Neben einem festen Organisationsteam, welches an beiden Tagen die Stellung hielt, kam am zweiten Tag ein Logistikfachmann, um die Waren ĂŒber Excel zu listen und mit einem mobilen Drucker fĂŒr die Fahrzeuge bereitzustellen.

FĂŒnf voll bepackte Fahrzeuge mit AnhĂ€ngern fuhren ins Krisengebiet

Besonders die vielen spontanen Helfer/innen am zweiten Tag sortierten die Spenden in Boxen, verpackten und beschrifteten sie fĂŒr den Transport. Viele HĂ€nde machten das fast Unmögliche in kĂŒrzester Zeit möglich.

So konnten am Dienstag und Mittwoch insgesamt fĂŒnf Fahrzeuge, teilweise Transporter mit großen AnhĂ€ngern, befĂŒllt und direkt in das Krisengebiet gesendet werden.

„The Real Life Guys“ packten spontan mit an

Dort wurden die Waren mit Freude aufgenommen. Ein besonders großer, zweiachsiger AnhĂ€nger fand zunĂ€chst keinen Fahrer, aber als besonderes Bonbon erklĂ€rten sich spontan „The Real Life Guys“ dazu bereit, nicht nur den AnhĂ€nger zu fahren, sondern auch noch sĂ€mtliche Waren, die bisher nicht verladen werden konnten, in ihren Bus zu verfrachten und mitzunehmen.

Die in Bickenbach verwurzelten „The Real Life Guys“, bestens bekannt mit ihrem Youtube-Kanal, gliederten sich so nahtlos in die Helfergruppe ein und ermöglichten sogar, dass selbst die letzten Waren aus der Spendensammlung am Mittwoch noch in Bad Breisig abgeliefert werden konnten.

Dank an alle UnterstĂŒtzer und das Helferteam

Besonders dankbar izeigte sich das Koordinationsteam in Bad Breisig fĂŒr die prĂ€zise Benennung und Beschriftung der Waren aus Bensheim und die zielgenaue Bedarfsdeckung. Allen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, dem Helferteam sowie allen Firmen, die diese Sachspendenlieferung unterstĂŒtzt haben, gilt ein herzliches Dankeschön.

Das Netzwerk „Christen an der Bergstraße“ indes freut sich auch besonders ĂŒber die glĂŒckliche ZusammenfĂŒgung sehr vieler Faktoren, die diese Aktion begĂŒnstigt und beflĂŒgelt haben.

„Zufall? Wohl kaum“, schmunzelt Organisator Frank Hussmann. Die Aktion wurde „von Oben“ unterstĂŒtzt. „Unser Dank, aber auch unser MitgefĂŒhl und unsere Gebete sind bei den Menschen, die so schwer von der Katastrophe getroffen wurden.“