NEWS

Gegenwind-Wanderung zum StillfĂŒssel: „Riesige Wunde im Odenwald, eine Katastrophe!“

Deutlich mehr als 400 Demonstranten waren zum StillfĂŒssel gekommen, um...

...sich vom Ausmaß der Naturzerstörung vor Ort zu informieren.

Vera Krug von den BI Gegenwind Ulfenbachtal & Siedelsbrunn begrĂŒĂŸte die Demonstranten und dankte den zahlreichen Helfern.

Sogar aus Köln war eine Demonstrantin angereist, um die schĂŒtzenswerte Naturlandschaft Odenwald in den Focus zu rĂŒcken.

Der frĂŒhere BergstrĂ€ĂŸer Landrat Matthias Wilkes ging hart ins Gericht mit den politisch Verantwortlichen.

Aufmerksame BĂŒrger aller Alters- und Gesellschaftsschichten lauschten auf dem StillfĂŒssel den Referenten.

Harry Neumann, Bundesvorsitzender der Naturschutzinitiative e.V., sieht „das rechte Maß verloren gegangen“.

Lothar Moll, Hauptsponsor zahlreicher Gegenwind-BĂŒrgerinitiativen (links), mit aktiven BI-Mitstreitern.

Peter Geisinger, Vorsitzender von Vernunftkraft Odenwald e.V., rief auf zu Geduld.

Politische WillkĂŒr zugunsten der Windkraftanlagen prangerte Dr. Richard Leiner, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Odenwald e.V., an. Fotos: er

„Bis hierhin und nicht weiter!“: Deutlich mehr als 400 BĂŒrger positionierten sich auf Wald-Michelbacher GelĂ€nde gegen Rechtsbeugung zugunsten der Windkraft und Zerschlagung von Natur- und Landschaftsschutz

WALD-MICHELBACH. - „Hier klafft eine riesige Wunde im Odenwald, das ist eine Katastrophe!“ Der frĂŒhere BergstrĂ€ĂŸer Landrat Matthias Wilkes und VizeprĂ€sident des Verbandes Deutscher Naturparke, sprach deutlich mehr als 400 Menschen aus der Seele, als er im Angesicht der riesigen RodungsflĂ€che fĂŒr eine von insgesamt fĂŒnf Windkraftanlagen auf dem HöhenrĂŒcken StillfĂŒssel bei Wald-Michelbach den „Irrsinn der Energiewende“ in Deutschland und insbesondere im Odenwald anprangerte.

Der Jurist sieht hier das Recht des Natur- und Landschaftsschutzes eindeutig gebrochen. Wie er am heutigen Sonntagnachmittag, 21. Mai, bei einer Informationswanderung der BĂŒrgerinitiativen Gegenwind Ulfenbachtal & Siedelsbrunn verkĂŒndete, „werden hier gegen geltendes Recht mutwillig hunderte von BĂ€umen gefĂ€llt, um Industrieanlagen mitten in den Odenwald zu stellen“.

Dank sagte Wilkes den von zahlreichen geladenen Politikern einzig erschienenen designierten BĂŒrgermeistern von Wald-Michelbach, Dr. Sascha Weber, und Abtsteinach, Angelika Beckenbach, die beide erst in KĂŒrze ihre Ämter antreten werden. „Ihr Erscheinen spricht fĂŒr Ihre Heimatverbundenheit und zeigt GrĂ¶ĂŸe, die bei keiner Partei mehr vorherrscht.“

„Keine Hansel, die irgendwelchen Irrlehren hinterherhinken“

„In der Politik wird frischer Wind gebraucht“, hofft der frĂŒhere Landrat auf ein Umdenken zur Windkraft in den beiden RathĂ€usern durch die neuen OrtsoberhĂ€upter in diesem Teil des Odenwaldes. „Wir sind schließlich keine Hansel, die irgendwelchen Irrlehren hinterherhinken, sondern treten fĂŒr Recht und Rechte ein!“

Zu seiner aktiven Zeit als Landrat hĂ€tten sich die heutigen BefĂŒrworter der Windkraftanlagen gegen die FĂ€llung eines jeden einzelnen Baumes gewandt, der aus SicherheitsgrĂŒnden entfernt werden musste, erinnerte Wilkes an die wundersame Wandlung der Gesinnung grĂŒner Politik.

Den BUND-Vorstandssprecher und Vorsitzenden des Naturschutzbeirats Bergstraße, Herwig Winter, sprach Wilkes persönlich an: „Wenn Herr Winter nur zehn Prozent seiner AktivitĂ€t fĂŒr die Verhinderung der B38a zum Natur- und Landschaftsschutz der von Windkraftanlagen bedrohten WĂ€lder im Odenwald einsetzen wĂŒrde, könnte man zufrieden sein. Herr Winter erwachen Sie aus Ihrem Winterschlaf“, rief der Ex-Landrat dem nicht anwesenden NaturschĂŒtzer zu.

„Frau Lindscheid verrĂ€t alles wofĂŒr Sie ihre WĂ€hler vor Jahren gewĂ€hlt haben!“

Der amtierenden DarmstĂ€dter RegierungsprĂ€sidentin Brigitte Lindscheid (GRÜNE) schrieb Wilkes ins Stammbuch: „Sie verraten alles, wofĂŒr Sie Ihre WĂ€hler vor Jahren gewĂ€hlt haben!“ Politik funktioniere nur im Dialog mit den Menschen, „ohne Dialog keine Politik“.

Es wĂŒrden „sachgerechte Entscheidungen fĂŒr Mensch und Natur gebraucht, die dem Gemeinwohl entsprechen“, anstatt der hier propagierten Windkraft-Euphorie, sie sei „die falsche Botschaft“.

„Widerstand und Argumente bringen zum Nachdenken“

Klimaschutz durch Windkraftanlagen sei angesichts 18,8% Volllastzeit „barer Unsinn“, bedeute in der Umkehrung 81,2% keinerlei Stromversorgung durch WKA. Vor diesem Hintergrund sei die viel gepriesene Autarkie durch erneuerbare Energie „völliger Schwachsinn“, sagte Matthias Wilkes und sie zerstöre in der Region „den höchsten Wert des Odenwaldes, den Wald, um den Konzernen die Subventionen zu sichern“.

Den Windkraftgegnern machte Matthias Wilkes Mut zur FortfĂŒhrung ihres Engagements: „Ihr Widerstand und Ihre Argumente bringen zum Nachdenken. Am Ende wird das Gute siegen, wenn Sie den Protest zum tĂ€glichen Thema machen!“

„Das rechte Maß ist verloren gegangen!“

„Ich habe an die Energiewende geglaubt“, bekannte Harry Neumann, Fotograf, NaturschĂŒtzer, ehemaliger BUND-Landesvositzender Rheinland-Pfalz und jetzt Bundesvorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. (NI), und ergĂ€nzte: „Inzwischen zerstören 2% unserer Windenergiequellen 100% unserer Landschaften.“ Man mĂŒsse sich keineswegs dafĂŒr rechtfertigen, „dass wir unsere Landschaften schön finden“.

Aus einer grundsĂ€tzlich guten Idee werde zunehmend ein Desaster. „Das rechte Maß ist verloren gegangen!“ Der Respekt vor der Natur und der Kulturlandschaft sei verloren gegangen. „Unsere Politiker haben die Kommunikation mit uns abgebrochen“, beklagte Neumann.

Vor diesem Hintergrund sei die 5%-WahlhĂŒrde ein guter Wert, und die jĂŒngsten Wahlergebnisse fĂŒr die GRÜNEN böten „noch viel Luft nach unten“. Am Beispiel des Kölner Doms verdeutlichte Neumann: „Er bewegt sich nicht, und bewegt doch etwas“, auch wenn er gut 50 Meter niedriger sei als ein Windrad.

„Politiker in den Wald schicken, die die WĂ€lder zerstören!“

Den hessischen MinisterprĂ€sidenten Volker Bouffier erinnerte der Bundesvorsitzende der Naturschutzinitiative an dessen Statement, man werde „die WindrĂ€der nicht mit Hilfe der hessischen Bereitschaftspolizei aufstellen“. Genau das aber geschehe jetzt, seitdem er „gemeinsame Sache mit den GRÜNEN macht“.

WĂ€hrend Hessens Umweltministerin Priska Hinz an diesem Wochenende mit blumigen Worten fĂŒr den Natura-Trail Glauberg in der Wetterau werbe, forciere sie andererseits die Zerstörung bestehender Natur- und Kulturlandschaften durch Windkraftanlagen mit „dem grĂ¶ĂŸten Eingriff seit dem zweiten Weltkrieg“.

Harry Neumann empfiehlt „keinen Deal zu akzeptieren, denn wir brauchen keine WindrĂ€der mehr“. Parteien, die die Abschaffung des EEG nicht in ihrem Programm hĂ€tten, seien fĂŒr ihn nicht wĂ€hlbar. „Wir mĂŒssen die Politiker in den Wald schicken, die die WĂ€lder zerstören!“ Auch gebe es die Möglichkeit den Stromlieferanten zu wechseln, um Zeichen zu setzen.

„Folgen Sie nicht dem Mainstream, denken Sie selbst!“

In die gleiche Richtung zielte Peter Geisinger, Vorsitzender von Vernunftkraft Odenwald e.V.: „Es gibt eine Partei, die offensichtlich begriffen hat, wo die Reise hingeht“, verwies er, ohne die Partei namentlich zu nennen, auf das kĂŒrzlich beschlossene Programm der Liberalen.

Wenn das RP in seiner WKA-Baugenehmigung festhalte, die zwingend vorgeschriebene FFH-PrĂŒfung sei „aus Zeit- und KostengrĂŒnden“ unterblieben, dann werde hier eindeutig EU-Recht zugunsten der WK-Lobby gebeugt. „Das dĂŒrfen wir uns nicht gefallen lassen!“

Peter Geisinger rief den Demonstranten zu: „Folgen Sie nicht dem Mainstream, denken Sie selbst! Erfolg braucht Zeit, haben Sie Geduld.“

Politische WillkĂŒr zugunsten der Windkraftanlagen

FĂŒr die Schutzgemeinschaft Odenwald e.V. verdeutlichte deren Vorsitzender, Geograf Dr. Richard Leiner, die willkĂŒrlichen GesetzesĂ€nderungen zur rigorosen Durchsetzung von Windkraftanlagen am Beispiel der ursprĂŒnglich fixierten AbstĂ€nde der WKA zu Wochenstuben der Mopsfledermaus. Diese seien von ursprĂŒnglich 6.000 Metern in Etappen auf nunmehr 200 Meter reduziert worden.

„In Heidelberg wurde der Weihnachtsmarkt wegen der Störung der Mopsfledermaus im Schloss abgesagt, und wenige Kilometer weiter zĂ€hlen diese Argumente am Greiner Eck nicht mehr“, zeigte Dr. Leiner die politische WillkĂŒr zugunsten der Windkraftanlagen deutlich auf.

Dank an Hauptsponsor Lothar Moll und zahlreiche Helfer

FĂŒr die BĂŒrgerinitiativen Gegenwind Ulfenbachtal & Siedelsbrunn hatten Vera Krug und Wolfram Schmied am Ort des Geschehens „das Ausmaß der Energiepolitik“ aufgezeigt, und den zahlreichen Helfern gedankt, die auch fĂŒr das leibliche Wohl der Demonstranten sorgten.

Besonderen Dank entbot Vera Krug dem Hauptsponsor der BĂŒrgerinitiativen Lothar Moll, ohne den die BĂŒrgerinitiativen nicht ĂŒberlebensfĂ€hig seien in ihrem Kampf gegen die Rechtsbeugungen durch die Politik.